Afghanistan : Auswärtiges Amt bestätigt Entführung zweier Deutscher

Die beiden seit gestern in Afghanistan vermissten deutschen Staatsbürger sind verschleppt worden. Angeblich sollen die Taliban hinter der Entführung stecken.

KabulDas Innenministerium in Kabul hat eine "umfassende Suche" nach den vermissten Deutschen und ihren afghanischen Begleitern eingeleitet. Die Bundesbürger waren in der Provinz Wardak gekidnappt worden. Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Ghasni, Miradschuddin Pattan, geschah das auf einer Straße rund hundert Kilometer südlich von Kabul. Dort seien die Männer von einem Kommandeur entführt worden, der sich den Taliban angeschlossen habe, sagte er.

In Afghanistan sind zwei Deutsche entführt worden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, seit gestern würden zwei Deutsche vermisst. Sie seien Mitarbeiter eines in Kabul ansässigen Unternehmens. Aufgrund bislang vorliegender Hinweise müsse man von einer Entführung ausgehen. Alle relevanten Stellen seien eingeschaltet und bemühten sich um eine rasche Lösung des Falles.

Keine Bestätigung der Taliban

Der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahed konnte die Angaben des Gouverneurs dagegen zunächst weder bestätigen noch dementieren. "Wir versuchen, einen Kontakt mit unseren Männern in der Region herzustellen", sagte er. Nach seinen Informationen sei kein Ausländer von den Kämpfern seiner Organisation festgesetzt worden. "Ich habe mich mit allen unseren Truppen in der Region in Verbindung gesetzt, aber niemand weiß irgendwas darüber", sagte er in einem Telefongespräch.

In wessen Auftrag die Männer sich in Afghanistan aufhielten, ist unklar. Der Sprecher der UN-Mission in Kabul, Adrian Edwards, gab an, die sieben Entführungsopfer arbeiteten nicht für die Vereinten Nationen. Gouverneur Pattan machte keine näheren Angaben dazu, in wessen Auftrag die Gruppe unterwegs war. Es bleibt also abzuwarten, ob mit der Entführung das Zahlen eines Lösegeld erpresst werden soll oder politische Forderungen gestellt werden.

Zuletzt war Ende Juni ein Deutscher im Südwesten Afghanistans zusammen mit seinem Übersetzer entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. Nach Angaben örtlicher Behörden hatten die Entführer ein Lösegeld gefordert. Damals hatten die Taliban eine Beteiligung an dieser Entführung dementiert. (mit AFP, ddp, dpa)