Afghanistan : Blechschmidt: Entführer waren Taliban

Vor drei Wochen war der Ingenieur Rudolf Blechschmidt aus afghanischer Geiselhaft frei gekommen, nun hat er sich offenbar zu Einzelheiten seiner Gefangenschaft geäußert. Demnach habe es sich bei seinen Entführern nicht - wie von der Bundesregierung behauptet - um Kriminelle gehandelt.

Blechschmidt
Rudolf Blechschmidt in den Händen seiner Entführer. -Foto: dpa

BerlinDer aus der Geiselhaft in Afghanistan befreite Rudolf Blechschmidt geht nach Informationen von "Spiegel Online" davon aus, dass er von den Taliban verschleppt wurde. Blechschmidt habe dem Bundeskriminalamt (BKA) berichtet, seine Entführer hätten sich selbst als Taliban bezeichnet. Das berichtet das Onlinemagazin ohne genauere Bezeichnung der Quelle. Demzufolge sagte Blechschmidt dem BKA, seine Entführer seien äußerst radikal und politisch gesinnt gewesen. Außerdem hätten sie zumindest telefonischen Kontakt zur politischen Führung der Taliban gehabt.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hatte zuvor stets behauptet, bei den Entführern habe es sich um Kriminelle gehandelt. Laut "Spiegel Online" hätten sich die Entführer aber gegenüber Blechschmidt auch zum deutschen Engagement in Afghanistan geäußert. So mache der Tornado-Einsatz die Deutschen jetzt "wie die USA" zum Feind der Afghanen.

"Freizeit-Taliban"

Dem "Stern" sagte Blechschmidt laut Vorabbericht, drei seiner Bewacher seien zu Selbstmordattentaten in Kabul und Kandahar aufgebrochen, deren telefonisch übermitteltes Gelingen im Lager mit Jubel quittiert worden sei. Auf das Konto eines dieser Attentäter gehe mutmaßlich der Selbstmordanschlag in Kabul am 21. September, bei dem ein französischer Isaf-Soldat getötet wurde. Zudem seien immer wieder "Freizeit-Taliban" aus Kabul ins Lager gekommen, die nur wenige Tage blieben.

Über die im selben Zeitraum entführten Koreaner sagte Blechschmidt: "Wenn ich die Taliban gefragt hab, wann rufen wir die Botschaft an, hat der Chief abgewunken: Sie seien jetzt vollauf mit den koreanischen Geiseln beschäftigt, hätten keine Zeit für mich."

Nach Informationen der dpa soll es sich bei den Entführern um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund gehandelt haben, die nur lose Verbindungen zu den straff organisierten, radikalislamischen Extremisten unterhält und nicht unter der Befehlsgewalt des Taliban-Führungsrates steht.

Blechschmidt war am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen verschleppt worden. Dieser war wenige Tage später von den Geiselnehmern erschossen worden. Blechschmidt kam am 10. Oktober frei. (Jörg Vogler mit dpa)