Afghanistan : Deutsche Geisel geschwächt, aber wohlauf

Die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die Höhenlage machen der deutschen Geisel offenbar zu schaffen. Es soll aber weiterhin Kontakt zu dem Entführten geben.

Kabul/BerlinDie deutsche Geisel in Afghanistan ist rund eine Woche nach ihrer Entführung nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa weiterhin am Leben. Der Ingenieur sei zwar körperlich geschwächt, aber immer noch bei Kräften. Es gebe weiterhin Kontakt zum Entführungsopfer. Die Geiselnehmer hätten sich in ein Versteck in den Bergen zurückgezogen. Die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die Höhenlage machten der Geisel zu schaffen. Die Bemühungen um die Freilassung des Mannes würden fortgesetzt.

Die Leiche des zweiten entführten Deutschen soll heute nach Deutschland übergeführt und einen Tag später in Köln obduziert werden. Es handelt sich um einen 44 Jahre alten Bauingenieur. Die Obduktion soll ergeben, ob er durch Schüsse starb oder bereits tot war, als auf ihn geschossen wurde.

Erler: Truppen-Aufstockung keine Trotzreaktion

Unterdessen hat die Bundesregierung betont, dass Überlegungen für eine Aufstockung des deutschen Kontingents in Afghanistan nicht im Zusammenhang mit der Entführung der beiden Männer stehen. "Es wäre eine makabere Wendung, wenn das Handeln der Bundesregierung von Taliban mitgelenkt werden könnte - in welche Richtung auch immer", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Geiselnahme von Deutschen hat damit nichts zu tun, es war lange zuvor überlegt." Die aktuelle Überlegungen, zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden, seien keine Trotzreaktion.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte der "Passauer Neuen Presse": "Anstatt einer Verstärkung des Engagements der Bundeswehr, müssen wir neben der militärischen Komponente auch unsere Anstrengungen im zivilen Bereich verstärken." Die "Rambo-Methoden", die in Südafghanistan zum Teil angewendet würden, hätten offensichtlich keine Erfolge gebracht.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sprach sich in der "Passauer Neuen Presse" für eine Überprüfung der internationalen Militärstrategie in Afghanistan aus. Die Verfolgung von Terroristen dürfe nicht zu Lasten des Landes und der Bevölkerung gehen. "Das müssen alle Beteiligten berücksichtigen." Ein militärischer Rückzug wäre aber ein Sieg der Terroristen und eine Ermutigung für Gewalttäter. "Das hätte kaum abschätzbare Folgen auch für uns in Europa und in Deutschland." Man habe in Afghanistan bereits große Erfolge erzielt. "Wenn wir diese nicht aufgeben wollen, dürfen wir in unserem Engagement nicht nachlassen. Wir müssen die Herzen der Afghanen gewinnen." (mit dpa)