Afghanistan-Einsatz : Merkel verteidigte in London ihre Position

Beim Treffen mit dem britischen Premier Gordon Brown machte Angela Merkel ihre Haltung zum Afghanistan-Einsatz deutlich: Man habe dieselbe Mission, aber unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Die englische Presse meuterte: Deutschland halte sich in den südlichen Provinzen schadlos.

London Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in London Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Aufgaben deutscher und britischer Truppen beim Einsatz in Afghanistan betont. "Wir haben unterschiedliche Verantwortlichkeiten in den gleichen Missionen", erklärte Kanzlerin Merkel nach einem Gespräch mit dem britischen Premierminister Gordon Brown.

Außerdem gaben beide Regierungschefs eine gemeinsame Initiative für die Verbesserung der medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern bekannt. Auf die Frage, ob Großbritannien ein stärkeres deutsches Engagement in Afghanistan erwarte, antwortete die Kanzlerin, Deutschland trete für notwendige Verstärkungen zum Beispiel beim Polizeieinsatz ein. Über Einzelheiten würden sich beide Regierungen derzeit noch austauschen.

Britische Presse rügt deutsches Engagement

In der britischen Presse war in den vergangenen Tagen kritisiert worden, dass Deutschland sich nicht in der als besonders gefährlich geltenden Südprovinz Helmand am Kampf gegen die Taliban beteilige. Premier Brown ging auf diese Kritik nicht näher ein. Er betonte, es stünde im gemeinsamen internationalen Interesse, dass es den Taliban nicht gelänge, in Afghanistan erneut die Kontrolle zu erlangen. Der Kampf gegen die Extremisten müsse deshalb entschlossen fortgesetzt werden.

Im Grundsatz stimmten beide Länder beim Vorgehen in Afghanistan überein, sagte die Bundeskanzlerin. Zu den Themen des ersten Besuches von Merkel in der Downing Street seit Brown im Juni von Tony Blair das Amt des Premierministers übernahm, gehörten auch der Klimawandel und die Welthandelsrunde. Merkel gab an, sie glaube ebenso wie Brown, dass es "vielleicht doch noch die Chance auf einen Erfolg bei den Welthandelsgesprächen gibt". London und Berlin würden dafür sehr eng zusammenarbeiten.

Neue Initiative zur medizinischen Versorgung

An der neuen Initiative zur Verbesserung der Gesundheit in den ärmsten Ländern der Welt beteiligen sich neben Großbritannien und Deutschland auch Kanada und Norwegen sowie die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation. Ziel ist eine stärkere Konzentration internationaler Hilfe auf den Aufbau von Gesundheitseinrichtungen in armen Ländern. Merkel sagte, sie wolle dies bei ihrer bevorstehenden Afrika-Reise erörtern und dafür werben. "Millionen von Menschen haben wegen unzureichender medizinischer Einrichtungen ein hohes Sterberisiko", sagte Brown. "Dagegen wollen wir gemeinsam etwas tun." Es gelte, die ärmsten Länder besser in die Lage zu versetzen, Krankheiten wie Tuberkulose, Kinderlähmung oder Masern, vor allem jedoch Aids zu bekämpfen. Die modernen Medikamente, über die reiche Länder verfügen, müssten auch den Ärmsten zugänglich gemacht werden. Einzelheiten der Initiative sollten zum offiziellen Start am 5. September vorgestellt werden. (mit dpa)