Afghanistan-Einsatz : Wie sicher sind die deutschen Soldaten?

In einem alarmierenden Bericht des Auswärtigen Amtes heißt es: "Selbstmordattentäter stehen augenscheinlich bereit."

BerlinIm Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan muss dem Handelsblatt zufolge mit weiteren Attentaten gerechnet werden. Die Arbeit der deutschen und internationalen Wiederaufbauteams werde dadurch zunehmend eingeschränkt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen internen Bericht vom 7. Juni, der vom Vertreter des Auswärtigen Amtes in der Stadt Kundus verfasst worden sein soll. Der Bericht sei mit den militärischen Stellen vor Ort abgestimmt.

Der Bericht soll detailliert darauf verweisen, dass sich mittlerweile wohl mehrere Terrorzellen im Norden festgesetzt haben. Gruppen mit Taliban-Hintergrund arbeiteten in der Provinz Kundus weiter an Plänen, Anschläge durchzuführen. Auch Selbstmordattentäter könnten dafür zur Verfügung stehen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts wollte den Bericht nicht im Einzelnen kommentieren, verwies aber darauf, dass in Afghanistan die "bestmögliche Vorsorge" getroffen werde, um Soldaten, Entwicklungshelfer und Diplomaten zu schützen.

Vorwürfe an afghanische Sicherheitsbehörden

In einem weiteren Bericht, der einige Tage vorher verfasst wurde, wird laut "Handelsblatt" den afghanischen Sicherheitsbehörden vorgeworfen, "allenfalls halbherzig bei der Sache" zu sein. Nach dem Besuch von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in der vergangenen Woche sei aber Besserung versprochen worden.

Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban am 19. Mai waren in Kundus drei deutsche Soldaten getötet und fünf verletzt worden. Acht afghanische Zivilisten starben. Die Bundeswehr warf den afghanischen Behörden Untätigkeit bei der Suche nach den Drahtziehern vor. Der Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, es bestehe "ein enger und stetiger Kontakt" zur afghanischen Seite, damit die Täter ermittelt und künftige Anschläge verhindert würden. (mit dpa)