Afghanistan : Entführer von Christina M. gefasst

Die afghanische Polizei hat die Entführer der Deutschen Christina M. in Kabul gefasst. Darunter ist offenbar auch der Drahtzieher der Geiselnahme. Die schwangere junge Frau war gestern Abend befreit worden. Auch in einem anderen Fall meldete die Polizei einen Durchbruch.

Geisel
Christina M. ist frei. -Foto: AFP

KabulVier Afghanen wurden in Kabul verhaftet,  darunter auch der Drahtzieher der Geiselnahme. Das teilte der Sprecher des Innenministeriums in Kabul mit.  Außerdem gelang in einem weiteren Fall ein Durchbruch: Zehn Monate nach dem Mord an zwei deutschen Journalisten in Nordafghanistan ist vergangene Woche in der Provinz Baghlan offenbar der Hintermann der Tat gefangen genommen worden. Die beiden Deutsche-Welle-Mitarbeiter waren im Oktober vergangenen Jahres in Nordafghanistan erschossen worden, als sie dort zelteten.

Die vier Entführer von Christina M. sind bei der Operation zur Befreiung der Geisel in der Nacht zuvor festgenommen worden. Bei den Geiselnehmern handelt es sich offenbar um eine kriminelle Bande. Sie hätten zwar nach außen hin die Freilassung von Häftlingen gefordert, tatsächlich sei es ihnen aber um Lösegeld in Höhe von etwa einer Million Dollar gegangen. In der Nacht habe die Polizei das Versteck der Entführer im Westen Kabuls umstellt gehabt. Rund 300 Sicherheitskräfte hätten an der Operation teilgenommen. "Die Geiselnehmer hatten keine Chance zu entkommen", sagte der Sprecher.

Christina M. war am Samstag von bewaffneten Männern aus einem Kabuler Restaurant verschleppt worden. Sie leitete das Büro von Ora international in Kabul. Am Sonntag hatte ein afghanischer Fernsehsender ein Video gezeigt. Darin hatten die Entführer erklärt, nicht den radikal-islamischen Taliban anzugehören und die Freilassung von Gefangenen gefordert.

Christina M. geht es gut

Der jungen Frau geht es offenbar gut. "Christina M. befindet sich in guten Händen", hieß aus heute aus ihrem Umfeld in Kabul. Sie halte sich in der deutschen Botschaft auf, ihr Ehemann sei bei ihr. "Ihr geht es gut, sie ist gesund", hieß es weiter. Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft der ehemaligen Geisel wurden bestätigt. M. sei im fünften Monat schwanger.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier dankte der afghanischen Regierung und den Behörden des Landes für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. "Ich bin sehr froh und erleichtert, dass die entführte Deutsche wieder in Freiheit ist", sagte er. Er dankte auch dem deutschen Krisenstab und der deutschen Botschaft in Kabul. Die Bundesregierung werde in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, auch die Freilassung des entführten deutschen Ingenieurs zu ermöglichen.

Von dem 62-jährigen Rudolf B. gab es inzwischen ein neues Lebenszeichen. ARD-Reporter aus Kabul berichteten am Sonntagabend in der ARD-"Tagesschau", sie hätten mit dem ihm telefoniert. Er habe beklagt, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtere und er frage sich, warum nicht endlich gezahlt werde, um diese Sache zu beenden. Rudolf B. habe gefordert, die deutsche Botschaft müsse mehr Druck auf die Entführer ausüben. Auf Nachfrage hätten deutsche Behörden bestätigt, dass es sich tatsächlich um die Stimme von Rudolf B. handle. (mit AFP/dpa)