Afghanistan : Entführer wollten eine Million Dollar

Die schwangere Christina M., die in Kabul entführt worden war, hat ihre Geiselhaft offenbar gut überstanden. Bei den Tätern soll es sich um eine "kriminelle Jugendbande" handeln.

Geisel
Christina M. ist frei. -Foto: AFP

Kabul/BerlinDie schwangere deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international hat ihre anderthalbtägige Geiselhaft in Kabul gut überstanden. "Christina M. befindet sich in guten Händen", hieß es aus ihrem Umfeld in Kabul, nachdem die Polizei sie in der Nacht in einem Großeinsatz befreit hatte. Sie halte sich in der deutschen Botschaft auf, ihr Ehemann sei bei ihr. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte "voller Erleichterung", er danke den afghanischen Behörden für die "gute Zusammenarbeit".

"Es geht ihr sehr gut, sie ist sehr gefasst", sagte Matthias Floreck, Mitglied der Geschäftsführung von Ora international, dem Sender N24 über die in der Nacht in Kabul befreite 31-jährige Mitarbeiterin. "Unser internationaler Direktor hat direkt nach der Befreiung mit ihr und auch ihrem Mann gesprochen", sagte Floreck. "Sie wurde von den Geiselnehmern nicht wirklich ernsthaft bedroht, es wurde ihr gegenüber auch keine Aggression ausgeübt." Christina M. habe "regelmäßig telefonischen Kontakt mit ihrem Mann" gehabt.

Motiv Lösegeldforderung

Die Entführer forderten nach Angaben des Kabuler Innenministeriums rund eine Million Dollar (740.000 Euro) Lösegeld. "Das Motiv der Entführung war hauptsächlich eine Lösegeldforderung. Sie forderten eine große Summe, etwa eine Million Dollar", sagte Ministeriumssprecher Semarai Baschari. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass es sich bei den Geiselnehmern um eine kriminelle Bande handele. Dass die Geiselnehmer eine Frau entführten, sei eine "Schande", sagte Baschari.

Die 31-Jährige wurde kurz nach Mitternacht Ortszeit von der afghanischen Polizei aus der Gewalt ihrer Entführer befreit. Polizei-Offizier Ghulam Rassul sagte, die Polizei habe ein Haus im Südwesten der afghanischen Hauptstadt als Aufenthaltsort der Geisel und ihrer Entführer ausfindig gemacht. "Wir umstellten das Haus und forderten die Geiselnehmer auf, sich zu ergeben. Sie kamen einer nach dem anderen aus dem Haus, und dann befreiten wir die Geisel", sagte Rassul.

An dem Einsatz zur Befreiung waren nach Angaben Bascharis 300 Polizisten beteiligt. Es habe kein Blutvergießen gegeben, betonte er. Der Ministeriumssprecher sprach von vier Festgenommenen, darunter sei der Drahtzieher der Entführung, Ghulam Hasrat. Die 31-jährige Entwicklungshelferin M. war am Samstag aus einem Schnellrestaurant in Kabul entführt worden.

"Kriminelle Jugendbande"

Nach der Befreiung wurde sie im Wagen von Innneminister Sarar Ahmad Mokbel in Sicherheit gebracht. Ob sie nach dem glücklichen Ausgang der Geiselnahme direkt nach Deutschland ausreisen wollte, ist noch unklar. Der genaue Hintergrund der Tat war zunächst weiter unklar, in Geheimdienstkreisen hieß es aber, "eine kriminelle Jugendbande" stecke hinter der Tat. In einem Video hatten die Entführer am Sonntag die Freilassung "unschuldiger Gefangener" gefordert.

Baschari äußerte sich auch zum Fall der 19 in Afghanistan entführten Südkoreaner. Eine Befreiung der Geiseln sei weiterhin möglich, sagte er. Die afghanische Regierung verfüge über ausreichend Sicherheitskräfte für einen solchen Einsatz. Bislang sei ein Befreiungsversuch allerdings auf Bitten Südkoreas unterlassen worden.

Journalistenmörder gefasst Die afghanische Polizei meldete einen weiteren Fahndungserfolg: Rund zehn Monate nach dem Mord an zwei deutschen Journalisten ist offenbar der Drahtzieher verhaftet worden. Der Sprecher des Innenministeriums sagte, eine "Schlüsselfigur" des Falles befinde sich in Haft und werde verhört. Die 30-jährige Reporterin Karen Fischer und der 38-jährige Techniker Christian Struwe von der Deutschen Welle waren im vergangenen Oktober zu Recherchen in die afghanische Provinz Bamijan unterwegs, wo die Taliban weltberühmte Buddha-Figuren gesprengt hatten. Die Angreifer töteten die freien Mitarbeiter des deutschen Auslandssenders nachts in ihrem Zelt. (mit AFP)