Afghanistan : Geisel fleht um Hilfe - Ultimatum verlängert

Aufschub im südkoreanischen Geiseldrama: Die Taliban haben das Ultimatum verlängert. Dennoch ist ihr Schicksal weiter offen. Mit schwacher Stimme flehte eine Geisel in einem Telefongespräch um Hilfe. Doch die Taliban sind sich uneinig.

Kabul/SeoulDas Schicksal der 22 Südkoreaner in der Gewalt der Taliban-Rebellen ist weiter ungewiss. Ursprünglich hatten die Entführer den Regierungen in Seoul und Kabul bis heute Nachmittag Zeit gegeben, ihre Forderungen zu erfüllen. Jetzt haben sie ihr Ultimatum verlängert, sagte der Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghasni, Mehrajuddin Patan. Wann die neue Frist ablaufen werde, sagte er jedoch nicht.

Nach der Hinrichtung eines südkoreanischen Priesters, der zu der Gruppe gehörte, hatten die radikalen Islamisten mit der Tötung weiterer Geiseln gedroht, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden sollten. Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun sagte wegen der Geiselkrise seinen für kommende Woche geplanten Sommerurlaub ab.

Geld oder Freilassungen?

Der Polizeichef der Provinz verhandelt offensichtlich mit den Geiselnehmern, auch aus Regierungskreisen in Seoul werden verschiedene „Kontakte“zu den Kidnappern gehalten. Doch diese Verhandlungen gestalten sich schwierig, denn die Taliban agieren nicht als geschlossene Gruppe.

Unterhändler Khawaja Mohammad Sedeqi von der Regierungsdelegation teilte mit, eine Gruppe verlange Geld, eine andere die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft. Die Rebellen wollten sich nach einer Einigung untereinander wieder bei den Unterhändlern melden. Derzeit seien ihre Telefone ausgeschaltet.

"Bitte helfen Sie uns"

Eine der in Afghanistan entführten Geiseln hat in einem Telefongespräch in Koreanisch eindringlich um Hilfe gefleht. „Wir machen hier eine sehr schwere Zeit durch - bitte helfen Sie uns“, sagte sie in dem auf der CBS-Website veröffentlichtem Gespräch. „Wir alle bitten Sie, uns zu helfen, damit wir so schnell wie möglich hier rauskommen“, zitierte CBS die Frau weiter, deren Namen mit Yo Cyun Ju angegeben wurde.

Ihre Stimme klingt dabei matt und schwach. Sie fügte hinzu: „Wir sind alle krank und in einem sehr schlechten Zustand“. Sie bat die Regierung in Seoul und die internationale Gemeinschaft, ein Abkommen zu ihrer Freilassung zu vereinbaren. Der Sender hatte die Frau nach eigenen Angaben am Mittwochabend gesprochen. Das Gespräch sei mit den radikalislamischen Taliban vereinbart worden. (mit dpa/AFP)