Afghanistan : Polizei fordert bessere Ausrüstung in Krisengebieten

Nach dem Tod der deutschen Polizisten in Kabul werden Forderungen nach militärischem Schutz auch für Sicherheitsbeamte laut. Waren die Fahrzeuge nicht sicher genug?

Berlin/KabulEinen Tag vor der Trauerfeier für die drei getöteten Polizisten in Kabul ist in Deutschland eine Debatte über die Ausbildung und die Ausrüstung der in Krisengebieten tätigen Beamten. Gewerkschaften sprachen sprachen sich für die Überprüfung der jetzt üblichen Polizei-Ausrüstung aus.

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) nahmen unterdessen ihre Ermittlungen in Kabul auf. Man gehe fest davon aus, dass die radikal- islamischen Taliban für den Anschlag verantwortlich seien, hieß es aus zuverlässiger Quelle. Als eher unwahrscheinlich gelte aber, dass die Sprengfalle spezifisch Deutschen gegolten habe. Die beiden deutschen Botschaftsautos trugen keine Hoheitszeichen.

Der stellvertretende Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sagte: "So, wie die Soldaten geschützt sind, müssen auch Polizisten geschützt sein." Dagegen betonte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg: "Wir brauchen keine Militarisierung der Polizei, auch nicht in Afghanistan." Es müsse aber geprüft werden, ob die Unterbringung, die Fahrzeuge und die Ausrüstung der Beamten ausreichend seien.

"Im Visier der Taliban"

Notfalls müsse die Bundeswehr die Polizei begleiten, sagte Freiberg. Er hält weitere Anschläge auf deutsche Sicherheitskräfte für wahrscheinlich. "Wir sind im Visier der Taliban und anderer islamistischer Terrororganisationen." Jung sagte zum Thema Ausrüstung, dies sei "eine Frage, die die Polizei zu entscheiden hat". Er betonte jedoch, die getöteten Beamten seien in geschützten Fahrzeugen unterwegs gewesen.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte, die Gefährdungsanalyse müsse aktualisiert werden. Es sei schnell sicherzustellen, dass gefährliche Fahrten nur noch in ausreichend sicheren Fahrzeugen unternommen würden, sagte er der "Netzeitung". "Offensichtlich war das benutzte Fahrzeug nicht sicher genug."

An diesem Freitag findet in der deutschen Botschaft in Kabul eine Trauerfeier für die Opfer statt. Am Freitagabend sollen die Leichen nach Deutschland geflogen werden. Am Samstag wird der Toten mit einem Gottesdienst im Berliner Dom gedacht. Daran nehmen auch Merkel und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) teil.

Die drei Beamten starben, als sie am Mittwoch mit ihrem Fahrzeug auf einen Sprengsatz fuhren. Alle drei hinterlassen Familie. Ein weiterer Beamter wurde verletzt. Die Polizisten waren zum Schutz der deutschen Botschaft eingesetzt. (mit dpa)