Afghanistan : Schutztruppe bestätigt Tod von Zivilisten

Bei einem Luftangriff im Süden Afghanistans kamen weitere Menschen ums Leben. Das hat die Internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf nach einem Gipfel der Staatsoberhäupter der USA, Afghanistans und Pakistans eingeräumt. Im nordafghanischen Hochgebirge nahmen deutsche Elitesoldaten der Bundeswehr einen Taliban-Führer fest.

KabulDie Nato-geführte Schutztruppe Isaf teilte als Ergebnis einer Untersuchung mit, dass bei einer Operation in der südafghanischen Provinz Helmand am 27. April zwei afghanische Zivilisten getötet und zwei weitere verletzt worden seien, außerdem drei Aufständische. Taliban-Kämpfer hätten von der Nähe eines Wohnhauses aus Soldaten angegriffen und die Zivilisten damit gefährdet. Die Soldaten hätten Luftunterstützung angefordert.

Nach dem Tod von vermutlich mehreren Dutzend Zivilisten bei US-Luftangriffen in der westafghanischen Provinz Farah kam es in Farah-Stadt zu Ausschreitungen mit Verletzten. Am Montag waren in Farah mehr als 100 Zivilisten getötet worden.

US-Präsident Barack Obama sicherte angesichts des jüngsten Zwischenfalls mehr Schutz für die Zivilbevölkerung zu. "Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um zivile Opfer zu vermeiden", sagte er nach einem Dreiergipfel mit den Staatschefs aus Afghanistan und
Pakistan, Hamid Karsai und Asif Ali Zardari, in Washington. Karsai ordnete eine Untersuchung an und nannte die zivilen Opfer "nicht zu rechtfertigen und inakzeptabel".

Die New York Times zitierte einen namentlich nicht genannte Pentagonbeamten mit den Worten, es werde Berichten von Augenzeugen nachgegangen, denen zufolge die Zivilisten von den Taliban mit Granaten getötet wurden. Die Aufständischen seien nach den Schilderungen dann mit den Toten durch das Dorf gefahren und hätten behauptet, die Amerikaner seien für die Opfer verantwortlich. Der US-Kommandeur in Afghanistan, David McKiernan, hatte am Mittwoch angedeutet, dass die Zivilisten möglicherweise nicht durch amerikanische Luftangriffe ums Leben gekommen seien.

Die Bevölkerung demonstriert

In Farah-Stadt versammelten sich am Donnerstag hunderte Menschen in der zentralen Moschee der Provinzhauptstadt. Die Menge habe Sprechchöre gegen die US-Truppen und die Regierung in Kabul ausgerufen, sagte ein Augenzeuge. Die aufgebrachten Demonstranten seien dann zum Büro des Gouverneurs gezogen. Dort hätten sie die Sicherheitskräfte mit Steinen beworfen, die daraufhin das Feuer eröffnet hätten. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Die Demonstranten forderten nach Worten des Parlamentsabgeordneten Mohammad Musa Nasrat die Bestrafung derjenigen, die für den Tod der Zivilisten verantwortlich seien.

Sollte sich bestätigen, dass tatsächlich mehr als 100 Zivilisten bei Luftangriffen getötet wurden, wäre das die bislang höchste Opferzahl unter der Bevölkerung bei einem Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) hat mitgeteilt, seine Mitarbeiter hätten Dutzende Leichen gesehen, darunter die von Frauen und Kindern.
Bundeswehr nimmt Taliban-Führer fest

Bundeswehr nimmt Taliban-Führer fest

Nach einem Bericht von Spiegel Online haben Deutsche Elitesoldaten einen hochrangigen Taliban-Führer festgenommen, der auch für einen Anschlag auf die Bundeswehr verantwortlich sein soll. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht. An der Festnahme im nordafghanischen Hochgebirge waren neben Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) auch afghanische Sicherheitskräfte beteiligt. Ein Soldat wurde verletzt.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich nach Ministeriumsangaben um Abd al-Racik, der als Kommandeur der radikal-islamischen Taliban-Milizen in der Provinz Badakshan gilt. Er steht im Verdacht, am Anschlag auf eine Bundeswehrpatrouille im Juni 2008 sowie anderen Anschlägen gegen ausländische Truppen und afghanische Sicherheitskräfte beteiligt gewesen zu sein. Ihm würden zudem enge Verbindungen zu den Taliban in Pakistan und zur Drogenkriminalität nachgesagt. (aku/dpa)