Afghanistan : Sicherheitsexperten rechnen mit weiteren Anschlägen

Streit um Afghanistan-Einsatz neu entfacht: Am Freitag stimmte der Bundestag über eine Verlängerung des Isaf-Einsatzes ab. Die SPD steht weiter zu "Enduring Freedom".

André Spangenberg,Stefan Uhlmann
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Das Feldlager der Bundeswehr im nordafghanischen Kunduz (Archivbild). -Foto: ddp

Berlin/KabulUnmittelbar vor der Bundestags-Abstimmung zum neuen Afghanistanmandat der Bundeswehr mehren sich die Anschläge auf deutsche Soldaten am Hindukusch. Nach dem Selbstmordattentat mit drei Verletzten vom vergangenen Freitag war diesmal das Feldlager im nordafghanischen Kunduz Ziel eines Angriffes. Verletzt wurde bei dem Raketenangriff vom Sonntagabend niemand. Doch schlossen Sicherheitsexperten weitere Angriffe noch im Verlauf der Woche nicht aus.

Vor diesem Hintergrund forderte die Linkspartei erneut den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. "Terror kann man nicht mit Krieg bekämpfen", sagte Linksfraktionschef Gregor Gysi. Demgegenüber warnte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel vor einem solchen Schritt: "Wer jetzt fordert, die deutschen Truppen abzuziehen, handelt verantwortungslos". Allerdings bedürfe es einer Strategieänderung des deutschen Engagements hin zu mehr ziviler Aufbauhilfe, die militärisch geschützt werden müsse. Ebenso äußerte sich Grünen-Chefin Claudia Roth.

SPD: Beteiligung an "Enduring Freedom" denkbar

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil betonte, seine Partei stehe weiter zum deutschen Engagement in Afghanistan. Dazu gehöre neben der zivilen Hilfe nicht nur der Einsatz der internationalen Schutztruppe Isaf, sondern auch eine mögliche Beteiligung an der Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom". Er rechne für diesen Kurs mit einer "großen Unterstützung" auch auf dem SPD-Parteitag in Hamburg.

Das Verteidigungsministerium teilte heute mit, dass auf das Lager der Bundeswehr in Kunduz vier Raketen abgefeuert wurden. Eine von ihnen durchschlug den Angaben zufolge zwei Wände des Küchengebäudes, explodierte aber nicht. Afghanische und deutsche Kräfte hätten die mutmaßlichen Täter verfolgt, jedoch niemanden festnehmen können.

Verletzte Deutsche werden am Abend in Köln erwartet

Erst am Freitag waren drei Bundeswehrsoldaten während einer Patrouillenfahrt westlich von Kunduz bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden. Ein Soldat wurde nach Bundeswehrangaben so schwer verletzt, dass er im Feldlazarett der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif operiert werden musste. Die beiden anderen seien mittelschwer verletzt. Eine Maschine mit den drei Verletzten wurde noch am Abend im militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens in Wahn erwartet.

Der Sprecher von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Thomas Raabe, betonte, die Anschläge zeigten, dass militärische Kräfte in Afghanistan versuchten, auf die anstehenden Entscheidungen des Bundestages zu Afghanistan Einfluss zu nehmen. Die Bundesregierung lasse sich hiervon aber nicht beeinflussen.

Das Parlament entscheidet am Freitag über die Verlängerung der Beteiligung an der Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Teil des Mandats ist nun auch der Einsatz der Aufklärungs-"Tornados". Bisher liefen beide Aufgaben unter getrennten Mandaten. Eine Entscheidung über das neue OEF-Mandat steht erst im November nach dem Parteitag der SPD an. (mit ddp)