Afghanistan : Taliban: Geiseln könnten "heute oder morgen" freikommen

Die Taliban verhandeln weiter mit der südkoreanischen Regierung um die Befreiung der 21 Geiseln. Sie fordern im Gegenzug eine Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen.

Taliban
Die Taliban-Unterhändler Mullah Bashir (l.) und Mullah Nasrullah (2v.l.). -

Kabul/Seoul/BerlinDie radikalislamischen Taliban haben Hoffnungen auf ein rasches Ende des Dramas um die 21 in Afghanistan verschleppten Südkoreaner geweckt, zugleich aber auf ihrer Forderung nach einem Gefangenenaustausch beharrt. Die Geiseln könnten möglicherweise "heute oder morgen" freikommen, wenn die afghanische Regierung die Bedingungen der Taliban erfülle, sagte ein Taliban-Unterhändler nach Verhandlungen mit einer südkoreanischen Delegation in Ghasni. Kabul lehnte dies erneut ab. Bei Gefechten zwischen den Radikalislamisten und den US-geführten Koalitionstruppen starben rund ein Dutzend Taliban.

"Wir sind optimistisch, was das Ergebnis unserer Gespräche angeht", sagte Taliban-Unterhändler Kari Baschir am Verhandlungsort, dem Gebäude der Hilfsorganisation Roter Halbmond in Ghasni: "Die Geiseln werden frei sein, wenn die Regierung unsere Forderungen nach einer Gefangenenfreilassung akzeptiert", fügte er hinzu. "Einige unserer Gefangenen müssen freigelassen werden", betonte Baschir, der keine Einzelheiten aus den Gesprächen mit den Südkoreanern nannte. Der zweite Taliban-Unterhändler, Mullah Nasrullah, sagte, die Taliban hätten eine Liste mit acht Gefangenen vorgelegt, die freigelassen werden sollten. "Sobald die Regierung diese annimmt, werden wir ihr eine noch wichtigere Gefangenenliste vorlegen", fügte er hinzu.

Gesundheitszustand der Geiseln soll gut sein

Nasrullah sagte auf die Frage nach dem Gesundheitszustand der Geiseln, dieser sei "gut". "Genau wie die Südkoreaner sich um ihre Landsleute sorgen, sind wir beunruhigt und in Sorge um unsere Freunde", sagte Nasrullah. Die Unterhändler der Taliban und der Südkoreaner hatten sich am Freitag erstmals zu direkten Verhandlungen getroffen, nachdem telefonische Beratungen ergebnislos verlaufen waren. Die Südkoreaner wurden am 19. Juli in der Provinz Ghasni entführt, zwei Männer der Gruppe aus ursprünglich 23 Aufbauhelfern hatten die Radikalislamisten getötet.

Die Regierung in Kabul lehnte die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen der Taliban erneut ab: "Es gibt keine Veränderung in der Position der afghanischen Regierung, was die Freilassung von Taliban angeht", sagte ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Zuletzt hatte sich die afghanische Regierung im März auf die Freilassung von fünf inhaftierten Taliban im Austausch für die italienische Geisel Daniele Mastrogiacomo eingelassen. Die USA hatten dies scharf kritisiert, weil sie fürchteten, dies werde weitere Entführungen nach sich ziehen. Karsai hatte daraufhin zugesichert, es werde nie wieder einen derartigen Gefangenenaustausch geben.

Zu den schweren Kämpfen im Süden des Landes kam es nach Angaben der Koalitionstruppen, als rund 30 Rebellen am Freitag eine Armeepatrouille in der Provinz Kandahar mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Handfeuerwaffen angriffen. Die Koalitionssoldaten hätten zurückgeschossen und Kampfflugzeuge zu Hilfe gerufen. Zivilisten seien bei den Kämpfen im entlegenen Bergdistrikt Myanischen nicht zu Schaden gekommen. Myanischen gilt als Hochburg der Taliban, die hier im Juni für einige Tage die Kontrolle übernahmen. Die südliche Provinz Kandahar war bei den Kämpfen 1996 als erste in die Hände der militanten Islamisten gefallen, die in der Folge die Macht im ganzen Land übernahmen. Ende 2001 wurden die Taliban von einer US-geführten Koalition entmachtet. (mit AFP)