Afghanistan : Taliban töten zwei Schüler - wegen Grüßens ausländischer Soldaten

Sie grüßten Isaf-Soldaten und wechselten einige Wort mit ihnen - das wurde zwei afghanischen Gymnasiasten zum Verhängnis. Die Taliban verschleppten im Landesinneren die beiden Jungen und brachten sie um.

Kabul/BerlinDie radikal-islamischen Taliban haben nach offiziellen Angaben zwei afghanische Schüler getötet, weil sie ausländische Soldaten gegrüßt haben. Die beiden Gymnasiasten im Alter von 19 und 20 Jahren hätten Soldaten eines vorbeifahrenden Konvois der Internationalen Schutztruppe Isaf gegrüßt und einige Worte Englisch mit ihnen gesprochen, sagte der Sprecher der Provinzregierung im zentralafghanischen Wardak, Adam Chan Serat, am Mittwoch. Die Taliban hätten die beiden Schüler daraufhin verschleppt und getötet. Ihre Leichen seien am vergangenen Montag in der Nähe der Häuser ihrer Familien im Distrikt Sayed Abad in Wardak abgelegt worden.

Die Taliban teilten dagegen auf ihrer Webseite mit, die beiden seien Spione der amerikanischen Truppen gewesen. Sie seien nach einem entsprechenden Urteil eines Taliban-Gerichts hingerichtet worden. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung verurteilte die Morde als "außerordentlichen Akt der Barbarei". "Damit zeigen die Taliban wieder einmal ihr wahres Gesicht", erklärte Jung in Berlin. Die Taliban haben in den vergangenen Jahren Dutzende Dorfbewohner getötet, denen sie Spionage für ausländische Truppen oder die afghanische Regierung vorwarfen.

Schon über 2100 Zivilisten starben im vergangenen Jahr

Der Polizeikommandeur für Westafghanistan, Ekramuddin Yawar, sagte am Mittwoch, bei einem US-Angriff auf Nomadenzelte nahe der Stadt Herat seien acht Zivilisten getötet worden. Dabei habe es sich um sechs Frauen und zwei Kinder gehandelt. Auch acht Männer seien bei dem Angriff am Montag getötet worden. Ob es sich bei ihnen um Zivilisten oder um Aufständische gehandelt habe, sei unklar. Ermittler hätten nahe der Zelte Teile von Schnellfeuergewehren und zwei gestohlene Fahrzeuge gefunden. Die US-Armee teilte dagegen mit, bei einem "Präzisionsangriff" seien ein Anführer der Aufständischen namens Gholam Yahya Akbari und bis zu 15 weitere Extremisten getötet worden. Es gebe keine offiziellen Berichte über zivile Opfer.

Die Vereinten Nationen hatten am Dienstag mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr mehr als 2100 Zivilisten in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 55 Prozent der zivilen Opfer machten die UN Aufständische verantwortlich, für 39 Prozent die ausländischen und afghanischen Truppen, sechs Prozent konnten nicht zugeordnet werden. (mhz/dpa)