Afghanistan : Taliban wollen Diplomaten treffen

In Afghanistan scheint sich eine Wende im Drama um die entführten Südkoreaner abzuzeichnen. Taliban wollen angeblich mit südkoreanischen Diplomaten über die Freilassung der 21 entführten Koreaner verhandeln.

Ghasni/SeoulDie Taliban sind nach Angaben eines afghanischen Gouverneurs zu einem Treffen mit südkoreanischen Diplomaten bereit. Dabei solle über Möglichkeiten gesprochen werden, die 21 entführten Südkoreaner freizubekommen, sagte der Gouverneur der Provinz Ghasni, Mirajuddin Pattan. Ein Mitglied der südkoreanischen Delegation sagte, es gebe noch keine offizielle Zusage der radikalislamischen Taliban. Die Entführer hatten am Mittwochabend betont, sie hätten nach Ablauf des vorerst letzten Ultimatums am Mittag noch keine weitere Geisel getötet, weil die Möglichkeit direkter Gespräche mit südkoreanischen Vertretern eine "neue Phase der Verhandlungen" einläuten könne.

Südkorea und die USA schließen nach Angaben des südkoreanischen Außenministers Song Min Soon einen möglichen Militäreinsatz zur Befreiung der in Afghanistan verschleppten Koreaner aus. In dem Entführungsfall habe für beide Länder die Sicherheit der 21 Geiseln in der Gewalt der Taliban-Rebellen höchste Priorität, sagte Song zu koreanischen Journalisten nach einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Außenminister John Negroponte am Rande eines Regionalforums in Manila. "Südkorea und die USA sind sich darin einig, jede Militäraktion auszuschließen", wurde Song von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert.

Nichtsdestotrotz startete die afghanische Armee startete am Mittwoch in der Provinz Ghasni eine größere Operation. Zuvor hatte das Militär Flugblätter verteilt, in denen die Bevölkerung vor einem Kampfeinsatz gewarnt wird. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul sagte zwar, der Einsatz richte sich gegen die islamistischen Rebellen, doch sei keine gewaltsame Befreiung der Geiseln geplant. Dennoch hielten sich in Kabul hartnäckig Gerüchte, die Südkoreaner sollten in den nächsten Tagen aus dem Versteck der Taliban herausgeholt werden.

Taliban wollen Gesinnungsgenossen freipressen

Die Taliban fordern die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen. Sie haben bereits zwei ihrer Geiseln getötet. Acht südkoreanische Politiker reisten nach Washington, um Hilfe von den USA bei der Lösung der Geiselkrise zu erbitten. Südkorea ist ein enger Verbündeter der USA, die die meisten Soldaten in Afghanistan stellen.

Nach der Entführung von 23 Südkoreanern im Süden Afghanistans am 19. Juli waren zwei Geiseln von den Kidnappern erschossen worden. Die Taliban fordern die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen. (mit dpa/AFP)