Afghanistan : Verwirrspiel um deutschen Journalisten

Der Journalist, der in der Nacht in Afghanistan entführt wurde, ist offenbar wieder frei. Das teilte der Gouverneur der Provinz Kunar mit. Der "Stern" teilte inzwischen mit, dass es bei dem Entführten nicht um Christoph Reuter handelt.

Der im Osten Afghanistan entführte deutsche Journalist ist wieder frei. Lösegeld wurde nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Kunar, Shalezai Dedar, nicht gezahlt. Die Befreiung des Journalisten und seines afghanischen Übersetzers und seines einheimischen Führers war danach mit Hilfe der Dorfbewohner und der Regierungsdelegation gelungen, die vom Gouverneur in den Ort Sangar entsandt worden war. Die drei Männer seien auf dem Weg in die Provinzhauptstadt Asadabad.

Bei dem Journalisten handelt es sich nicht, wie zunächst vermutet, um Christoph Reuter ,den Mitarbeiter des Magazins "Stern". Wie eine Sprecherin des Magazins mitteilte, hatte die Redaktion per SMS Kontakt mit Reuter. Demnach befand er sich auf einer privaten Reise durch Afghanistan, auf der er zeitweise nicht erreichbar war.

Taliban als Trittbrettfahrer?

Ein Mann, der sich als Taliban-Kommandeur Kari Ischak ausgab, hatte sich zuvor im Namen der islamistischen Rebellen zu der Geiselnahme bekannt. "Wir haben sie entführt, und unsere Führer werden über ihr Schicksal entscheiden", sagte er.

Nicht auszuschließen war, dass die Taliban lediglich als Trittbrettfahrer der Entführung auftraten. Hinter der Geiselnahme könnte auch die Gruppe des früheren Regierungschefs Gulbuddin Hekmatyar stecken, die Verbindungen zum Al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden unterhält, wie das ARD-Hörfunkstudio in Kabul unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete. Eine Bestätigung dafür gab es jedoch nicht. Auch mögliche Forderungen der Entführer waren nicht bekannt.

Verschleppter Bauingenieur noch am Leben

Der in der vergangenen Woche verschleppte deutsche Bauingenieur war nach ARD-Informationen körperlich geschwächt, aber immer noch bei Kräften. Verhandlungen zu seiner Freilassung waren weiterhin im Gange. Der Mann war zusammen mit einem anderen deutschen Ingenieur, der in Geiselhaft starb, am Mittwoch vergangener Woche in der Provinz Wardak entführt worden. Trotz mehrerer Bekenneranrufe der Taliban blieb unklar, wer hinter der Geiselnahme der beiden Deutschen und fünf Afghanen steckte. Die Leiche des gestorbenen Deutschen sollte am Abend am Flughafen Köln-Wahn eintreffen. (mit AFP/dpa)