Afghanistan : Verwirrspiel um entführte Südkoreaner

Um das Schicksal der in Afghanistan verschleppten 21 Südkoreaner herrscht Verwirrung. Ein Taliban-Sprecher nahm die Ankündigung, zwei Geiseln freizulassen zurück. Zuvor hatte er verkündet, die Geiseln seien bereits frei.

Ghasni/KabulDie zwei südkoreanischen Geiseln kommen jetzt doch nicht frei. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi mit den Worten: "Unsere Führer haben ihre Meinung geändert und ihre Entscheidung zur Freilassung der weiblichen Geiseln ausgesetzt." Der Geheimdienstchef von Ghasni weckte unterdessen Hoffnungen, dass die Frauen noch am Sonntag freikommen könnten. In Ghasni sollten neue Gespräche zwischen den Taliban und südkoreanischen Unterhändlern stattfinden.

Ahmadi schloss gegenüber Yonhap eine Freilassung der beiden kranken Frauen zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus: "Der Plan, zwei weibliche Geiseln zuerst freizulassen, ist noch gültig, ein Zeitpunkt wurde aber noch nicht festgelegt." Es könne sein, dass es Verwirrung und Missverständnisse gebe, fügte Ahmadi hinzu: "Ich hoffe, die Situation klärt sich schnell auf." Ahmadi konnte am Sonntag zunächst für eine weitere Stellungnahme nicht erreicht werden. Am Samstag hatte der Taliban-Sprecher mitgeteilt, die beiden kranken Frauen seien ohne Gegenleistung "als Zeichen des guten Willens" freigelassen worden. Von Südkorea und offizieller afghanischer Seite war dies jedoch nicht bestätigt worden.

Dritte Verhandlungsrunde für Sonntag geplant

Aus afghanischen Regierungskreisen verlautete am Sonntag, noch seien den Behörden keine Freigelassenen übergeben worden. Der Geheimdienstchef der Stadt Ghasni, wo Verhandlungen zwischen den Taliban und einer südkoreanischen Delegation über die Geiseln stattfanden, sagte, es sei wahrscheinlich, dass die beiden Südkoreanerinnen, deren Freilassung die Taliban zugesagt hätten: Sie sollten noch am Sonntag freikommen und den Unterhändlern aus Seoul übergeben werden.

Für Sonntag sei eine dritte Verhandlungsrunde zwischen den Radikalislamisten und den südkoreanischen Unterhändlern geplant, fügte der Geheimdienstchef hinzu, der ungenannt bleiben wollte. Sie solle - wie bereits am Freitag und Samstag - im Gebäude der Hilfsorganisation Roter Halbmond stattfinden. Der Leiter des Roten Halbmonds in Ghasni, Ghulam Ahmad Mudschahid, bestätigte das geplante Treffen. "Wir hoffen, dass das dritte Treffen das gewünschte Ergebnis bringt", fügte er hinzu. Die Taliban hatten nach eigenen Angaben bei den Gesprächen die Freilassung von Geiseln in Aussicht gestellt, dabei aber auf ihren Forderungen nach einem Gefangenenaustausch beharrt. Sie wollen Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen freipressen.

Direkte Gespräche zwischen beiden Seiten gelten als eine der letzten Chancen für die Beilegung der Geiselkrise, die seit drei Wochen andauert. Die ursprünglich 23 christlichen Aufbauhelfer aus Südkorea waren am 19. Juli in der Provinz Ghasni entführt worden. Zwei Südkoreaner haben die Taliban seither getötet. (mit AFP)