Afghanistan : Verwirrung um Schicksal der deutschen Geisel

Im Fall des in Afghanistan entführten deutschen Ingenieurs Rudolf B. gibt es weiter widersprüchliche Informationen. Einen Medienbericht, die Geisel sei bereits frei, wollte das Auswärtige Amt nicht bestätigen.

BerlinDie Zeitung "Die Welt" berichtete am Freitagabend in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf "gut informierte Kreise", Rudolf B. sei "angeblich frei" und sei bereits auf dem Weg nach Deutschland. Das Auswärtige Amt bestätigte die Angaben nicht. Laut "Welt online" hieß es auch aus Kabul, den "offiziellen deutschen Behörden" sei nichts von einer Freilassung bekannt. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer forderte Deutschland zu mehr Engagement in Afghanistan auf.

Laut "Welt online" wurde für die deutsche Geisel ein Lösegeld bezahlt. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, wollte sich nach seiner Rückkehr von einer Afrika-Reise mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitagabend zunächst nicht zu dem Bericht äußern. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wiederholte am Samstagmorgen die Aussage, wonach der Krisenstab weiter mit Hochdruck an der Freilassung der Geisel arbeitet.

Am 18. Juli verschleppt

Das ZDF hatte am Freitag von einer möglicherweise kurz bevorstehenden Freilassung der deutschen Geisel berichtet. Rudolf B. war zusammen mit seinem Kollegen Rüdiger D. am 18. Juli in Afghanistan verschleppt worden. Die Leiche von Rüdiger D., der an Diabetes gelitten haben soll, wurde am 22. Juli gefunden. Laut dem offiziellen Obduktionsbericht wurde D. von den Geiselnehmern erschossen. Demnach hatte der 44-Jährige zunächst einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Dann wurden die tödlichen Schüsse auf ihn abgegeben.

Im Drama um die entführten Südkoreaner verweigerten die Taliban am Freitag einem afghanischen Ärzteteam den Zugang zu den 21 im Süden Afghanistan festgehaltenen Geiseln. Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi sagte, die Taliban bestünden darauf, dass zwei Häftlinge aus ihren Reihen von der afghanischen Regierung freigelassen würden, bevor sie ihrerseits zwei schwer kranke südkoreanische Geiseln freiließen. Laut Ahmadi wollten die Taliban mit Südkorea an einem neutralen Ort über das Schicksal der Geiseln verhandeln.

Debatte um Afghanistan-Einsatz

In Deutschland ging die Debatte über den Afghanistan-Einsatz weiter. Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Winfried Nachtwei, warnte vor einem Zusammenbruch der Polizeiausbildung in Afghanistan. Er sei nach der Übernahme der Polizeiausbildung durch die Europäische Union "zutiefst besorgt" über den qualitativen und quantitativen Auf- und Ausbau der afghanischen Polizei, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Brief Nachtweis an Steinmeier und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Nachtwei spreche von "äußerst alarmierenden Hinweisen zum Stand der Polizeimission".

FDP-Parteichef Guido Westerwelle signalisierte die Zustimmung seiner Partei zu einer Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes. "Wenn wir jetzt als internationale Staatengemeinschaft aus Afghanistan einfach abziehen würden, überließen wir das Land nur den Taliban", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Auch könnten die Deutschen nicht "einfach rausgehen" und darauf setzen, dass die anderen Staaten ihre Truppen in Afghanistan ließen. Die endgültige Entscheidung der FDP zu den Bundeswehr-Einsätzen falle aber erst im Herbst.

Struck fordert Unterstützung für Anti-Terror-Einsatz

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck forderte seine Partei auf, die weitere Beteiligung der Bundeswehr am Anti-Terror-Einsatz "Operation Enduring Freedom" (OEF) zu billigen. "Den Wiederaufbau in Afghanistan können wir nicht ohne militärische Absicherung gegen Taliban und Al Qaida schaffen" sagte Struck dem Nachrichtenmagazin "Focus".

De Hoop Scheffer sagte der "Bild am Sonntag", Deutschland habe bereits bei der Ausbildung der afghanischen Armee viel Hilfe geleistet. "Wenn wir diesen Prozess beschleunigen wollen, müssen wir aber noch mehr tun." Er wünsche sich noch mehr deutsche Ausbildungsteams und auch mehr Unterstützung von anderen Verbündeten. (mit AFP)