Afghanistan : Viele Tote bei Anschlag in Kabul

Bei einem Anschlag auf einen Polizeibus in Kabul sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Ob es einen Zusammenhang mit dem heutigen Beginn der europäischen Polizeimission unter deutscher Leitung gibt, ist noch unklar.

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Kabul: Der Bus explodierte vor der Polizeizentrale. -Foto: AFP

KabulBei einem Sprengstoffattentat auf einen Polizeibus in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 35 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Der Chef der Kriminalpolizei von Kabul, Alishah Paktiawal, sagte, der Sprengsatz habe sich im Inneren des Busses befunden. Der Bus habe Polizeiausbilder zur Polizeiakademie gebracht. Ein Augenzeuge berichtete, der Bus mit 45 Sitzplätzen sei vollkommen zerstört worden. Mindestens 20 der Getöteten seien Polizisten. Unter den Verletzten seien auch einige Ausländer, darunter Japaner, Koreaner und Pakistaner, die in einem Wagen gesessen hätten, der gerade vorbeifuhr. Die islamistischen Talibanrebellen bekannten sich in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP und bei der BBC zu dem Attentat, dem folgenschwersten Anschlag seit ihrem Sturz Ende 2001.

Die Explosion ereignete sich vor der Polizeizentrale in einem belebten Teil der Stadt nahe einem Markt. Zwei Minibusse in der Nähe wurden schwer beschädigt. Unklar war zunächst, ob es sich um einen Selbstmordanschlag handelte. In ersten Berichten hieß es, die Attentäter hätten eine Bombe in dem Polizeibus versteckt. Direkt vor dem dem Hauptquartier sei der Sprengsatz dann explodiert. Der Ort der Explosion bot ein Bild der Zerstörung. Zu dem Anschlag bekannten sich nach Informationen des britischen Senders BBC die Taliban. Hinweise auf deutsche Opfer gibt es nicht.

Deutsche Polizisten bereits vor Ort

Heute soll die Polizeimission der Europäischen Union in Afghanistan (Eupol) unter deutscher Leitung beginnen. Langfristig sollen rund 195 Polizisten aus EU-Mitgliedsländern sowie aus Kanada und Norwegen die Ausbildung afghanischer Kräfte übernehmen. Deutschland stellt mit zunächst 60 Polizisten das größte Kontingent. Sie sind zum größten Teil bereits an Ort und Stelle.

Am Samstag waren bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt vier Menschen getötet und mindestens sechs weitere verletzt worden. Nach Angaben der Polizei sprengte sich zunächst ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto in der Nähe eines Konvois der Internationalen Afghanistan-Truppe (Isaf) in die Luft; dabei wurden drei afghanische Zivilisten getötet. Unter den Verletzten war ein ausländischer Soldat. Laut Polizei erschossen US-Soldaten anschließend "versehentlich" einen Passanten, ein weiterer wurde verletzt. (mit AFP/dpa)