Afghanistan : Zwei südkoreanische Geiseln sind frei

Die Taliban haben zwei der entführten Südkoreanerinnen freigelassen. Sie trafen krank und gezeichnet von der Gefangenschaft bei einem Konvoi des Roten Kreuzes ein. Deutsche Geisel meldet sich per Telefon.

Koreanerinnen
Sie sind frei und "Ok": Die beiden Südkoreanerinnen werden gezeichnet von den Strapazen vom Roten Kreuz in Empfang genommen. -Foto: AFP

Kabul/Doha Nach dreieinhalb Wochen Geiselhaft haben die radikal-islamischen Taliban erstmals zwei der von ihnen entführten Südkoreanerinnen freigelassen. Die beiden Frauen seien krank, ihr Zustand sei aber nicht ernst, sagte der Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghasni, Mehrajuddin Patan. Dagegen soll der ebenfalls in Afghanistan entführte deutsche Bauingenieur Rudolf B. telefonisch erklärt haben, es gehe ihm gesundheitlich schlecht und er fürchte um sein Leben.

Die beiden Koreanerinnen kamen nach Angaben von Gouverneur Patan in der südostafghanischen Provinz Ghasni frei. Sie seien den südkoreanischen Unterhändlern auf der US-Militärbasis in der Stadt übergeben worden. Sie seien in der Lage, selber zu laufen. Die Regierung in Seoul bestätigte die Freilassung. Die Taliban haben weiterhin 19 Südkoreaner in ihrer Gewalt. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi hatte bereits am Samstag eine bedingungslose Freilassung der Frauen angekündigt.

Deutscher bittet Bundesregierung angeblich um Hilfe

Der entführte Deutsche soll unterdessen in einem Telefoninterview mit einem arabischen Reporter die Bundesregierung eindringlich um Hilfe gebeten haben. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, der 62-Jährige habe in dem Telefonat mit einem Reporter des Senders sowohl die deutsche als auch die afghanische Regierung gebeten, ernsthafte Bemühungen um seine Freilassung zu unternehmen.

Unklar blieb, unter welchen Bedingungen Rudolf B. das Gespräch geführt hat und wie das Telefonat zustande gekommen war. Der zusammen mit Rudolf B. entführte Deutsche Rüdiger D. (44) war von den Geiselnehmern, bei denen es sich um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund handeln soll, erschossen worden. Die beiden Deutschen und sechs Afghanen waren am 18. Juli - einen Tag vor der Gruppe der 23 Südkoreaner - verschleppt worden. Die Taliban töteten später zwei der koreanischen Männer in ihrer Gewalt.

Treffen der Taliban mit südkoreanischen Unterhändlern gehen weiter

Die Aufständischen fordern die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Taliban-Sprecher Ahmadi sagte, die Treffen zwischen Vertretern der Taliban und den Unterhändlern der südkoreanischen Regierung über die Freilassung der verbleibenden 19 Geiseln dauerten an. Man hoffe "bald auf ein positives Ergebnis". Ahmadi hatte bereits am Samstag die bedingungslose Freilassung der beiden kranken Frauen angekündigt, zu der es dann aber zunächst nicht gekommen war. Ahmadi hatte die Freilassung eine "Geste des guten Willens" genannt.

Ein hochrangiger afghanischer Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der dpa, die beiden Frauen seien am Montag wie von den Taliban angekündigt im Distrikt Andar übergeben worden. Sie seien dann mit zwei Krankenwagen nach Ghasni-Stadt gebracht worden. (mit dpa)