Afrika : Kapstadts Buchmesse will Welten verbinden

Nur ein Bruchteil der Südafrikaner kauft überhaupt Bücher. Trotzdem öffnet in Südafrika die größte Buchmesse des Kontinents - mit einem hehren Ziel.

Cathrin Hennicke[dpa]

KapstadtAuf Afrikas größter Buchmesse stellt Ton Sebhe das Buch mit dem deutschen Sportwagen auf dem Einband enttäuscht zurück ins Regal. "Das ist ja gar nicht in Englisch. Welche Sprache ist das?", fragt er. Es ist Deutsch, und da muss der 33-Jährige aus Simbabwe passen. Dabei hätte der passionierte Schrauber gern ein paar mehr technische Details über sein Traumauto erfahren. Doch Sprachbarrieren sind nicht das einzige Problem der "Cape Town Book Fair", die am Samstag eröffnet wurde und bis Dienstag dauert. "Nur etwa fünf Prozent aller Südafrikaner kaufen überhaupt Bücher", stellt Messedirektorin Vanessa Badroodien nüchtern fest.

Bücher sind ein Luxusgut. "Wer überhaupt lesen kann, holt sich Bücher eher aus der Bibliothek. Dort gehen die Benutzerzahlen nach oben." Auch bei der Messe zeigen die Trends nach oben. Die dritte Auflage im modernen Kapstädter Kongresszentrum zählt 20 Prozent mehr internationale Aussteller als im Vorjahr. Unter dem Motto "Worte schaffen Welten" präsentieren sich 31 Länder. Es sind überwiegend Verlage aus dem südlichen Afrika, aber auch aus dem arabischen Raum, aus Fernost sowie aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich.

Vor allem Sachbücher suchen ihr Publikum: Schulbücher, Politiker-Biografien, Reiseliteratur - aber auch Belletristik und Kinderbücher. Bei den Lesungen der Stars wie der südafrikanischen Erzählerin Gcina Mhlope, dem schottischen Auflagen-Millionär Alexander McCall-Smith oder auch der deutschen Krimi-Autorin Andrea Maria Schenkel drängen sich die Neugierigen in langen Schlangen. Die Veranstalter hoffen auf einen neuen Rekord von mehr als 50.000 Besuchern.

"Die Cash Cow wird es nicht werden"

Das Programm von knapp 400 Foren und Lesungen möchte Jürgen Boos, Geschäftsführer der Buchmesse in Frankfurt/Main, stark ausbauen: "Wir würden hier gern ein ähnliches Lesefest etablieren wie auf der Buchmesse in Leipzig". Die Messe GmbH ist mit 49 Prozent Partnerin der "Cape Town Book Fair" und leistete Anschubfinanzierung. Schon im zweiten Jahr trug sich die Messe selbst. "Wir wollen in allen großen Kulturräumen präsent sein, um auch für deutsche Verlage Kontakte zu schaffen", erklärt Boos das Frankfurter Engagement am Kap.

Beim Hueber Verlag hat die Kasse jedoch noch nicht geklingelt. Der Verlag bietet Unterrichtsmaterial für Deutsch als Fremdsprache an und wollte erst mal "die Situation eruieren", wie Repräsentant Wolfgang Schwetz sagt. Ein paar Lehrer hätten sich am Stand auch schon erkundigt. "Aber die Cash Cow wird das hier wohl nicht werden."

Äußerst verhalten ist auch der Buchhandel in umgekehrter Richtung. Corry von Mayenburg klagt über geringes Interesse an afrikanischer Literatur in Deutschland. "Ich glaube die Leute denken oft: Damit haben sie gar nichts zu tun. Aber Literatur ist universell in einer globalisierten Welt." Deon Meyer liefert den Beweis. Im August kommt schon sein sechster Krimi in die deutschen Buchläden: "Dieser Erfolg war eine wunderbare Überraschung", bekennt der südafrikanische Krimiautor. Und hat eine verblüffend einfache Erklärung dafür: "Der Leser sucht doch nur Ablenkung vom Alltag, hier wie dort."