Afrika : Mugabes Simbabwe versinkt im Chaos

Rekord-Inflation, Hungersnöte, Gewalt: Die Politik Robert Mugabes hat Simbabwe Zustände wie zur Weltwirtschaftskrise in Deutschland beschert. Eine Banane kostet heute so viel wie vor acht Jahren ein ganzes Einfamilienhaus.

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Zwei Supermärkte in Harare: In den meisten Stadtteilen der Hauptstadt sind die Supermarktregale leer (li.), in dem reichen Vorort...Foto: AFP

Johannesburg/HarareDas Simbabwe von Präsident Robert Mugabe versinkt immer tiefer im Chaos. Massenweise kehren die Menschen ihrer Heimat den Rücken, seit Jahren herrscht Mangelwirtschaft in dem afrikanischen Krisenstaat. Nun erklärte Mugabe die Inflation von mehr als 4500 Prozent kurzerhand für illegal. Seine Polizeitruppen zwangen Geschäftsleute, Waren weit unter Preis abzugeben. Mehr als 1320 Ladenbesitzer und Manager wurden festgenommen, weil sie zu langsam reagierten. Doch nun sind die Lager leer. Selbst vor den Tankstellen gibt es angesichts leerer Tanks kaum noch Warteschlangen.

Die Mangelwirtschaft in dem afrikanischen Krisenstaat Simbabwe hat nach Angaben von Erzbischof Pius Ncube lebensbedrohliche Formen angenommen. "Auf dem Lande gibt es keine Lebensmittel mehr und bald wird es auch keine in den Städten mehr geben, wenn die aktuelle Politik der Preispolizei anhält", warnte der Vorsitzende der Hilfsorganisationen-Koalition Solidarity Peace Trust. Die Inflation - die höchste der Welt - hat den Menschen Zustände wie zur Weltwirtschaftskrise in Deutschland beschert. Eine Banane kostet heute so viel wie vor acht Jahren ein ganzes Einfamilienhaus.

Andersdenkende werden niedergeknüppelt

Die Bevölkerung, die bisher durch ihren täglichen Überlebenskampf in Atem gehalten wurde, beginnt trotz Mugabes intakten Sicherheitsapparates aufzumurren. Sie hat kaum noch etwas zu verlieren. Schulen, Krankenhäuser und Behörden funktionieren kaum noch. Das Land leidet seit der Vertreibung von mehr als 4000 weißen Farmern unter der schlimmsten Krise seiner Geschichte mit einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent. Strom gibt es für die Bevölkerung nur noch vier Stunden pro Tag. Für dieses Jahr wird beim Hauptnahrungsmittel Mais ein Ernteausfall von mehr als einer Million Tonnen erwartet. Die Opposition, deren Führung am Donnerstag in Südafrika weilte, hofft daher auf einen baldigen Wandel.

Denn die Aktionen des 83-jährigen Mugabe werden immer brutaler und verzweifelter. Andersdenkende werden niedergeknüppelt, Oppositionelle mundtot gemacht. Der seit 27 Jahren regierende Autokrat will sich unter allen Umständen bei den Wahlen im kommenden März ein weiteres Mandat sichern. Obwohl der regionale Staatenbund SADC Südafrikas Präsident Thabo Mbeki beauftragt hat, nach Lösungen für die Krise zu suchen, gibt es bisher keine Aussicht auf Erfolg dieser Vermittlungsbemühungen.

Die Tragödie Simbabwes ruft weltweit Empörung hervor. Zu den Kritikern gehören Schriftsteller wie Nadine Gordimer, Mario Vargas Llosa und Günter Grass. Sie verlangen den Rücktritt Mugabes und wollen dieser Forderung mit Lesungen am 9. September weltweit Nachdruck verleihen. Mugabe sei verantwortlich für die seit 2000 brutal durchgesetzte, entschädigungslose Enteignung weißer Farmer. Dies habe zu massivem Getreidemangel und schließlich Hungersnöten geführt. (mit dpa)