Afrika : Unterstützte Frankreich Ruandas Völkermord-Regime?

Um die angelsächsische Konkurrenz in Afrika zurückzudrängen hat Frankreich möglicherweise trotz Anzeichen für den sich anbahnenden Völkermord in Ruanda die Hutu-Regierung weiter unterstützt.

ParisFrankreich hat die Regierung in Ruanda laut einem Pressebericht trotz Hinweisen auf einen beginnenden Völkermord Anfang der 90er Jahre weiter unterstützt. Seit Oktober 1990 habe Paris über die "ersten Anfänge des Völkermordes" vier Jahre später Bescheid gewusst, berichtete die Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf Archivmaterial des französischen Präsidialamtes. Demnach wurden die Unterlagen jüngst einem Untersuchungsrichter des Militärgerichtes in Paris übergeben, der zu Vorwürfen gegen die französische Armee wegen Beihilfe zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Ruanda ermittelt.

"Le Monde" zitierte unter anderem ein Diplomaten-Telegramm vom 12. Oktober 1990. Darin äußert sich der Militär-Attaché in der ruandischen Hauptstadt Kigali, Oberst René Galinié, besorgt über die Zunahme willkürlicher Verhaftungen von Mitgliedern des Tutsi-Volkes durch die Hutu-Regierung unter Präsident Juvénal Habyarimana. "Es steht zu fürchten, dass der Konflikt in einem ethnischen Krieg endet", schrieb der Offizier demnach. Am folgenden Tag habe der französische Botschafter Georges Martres von einer weiteren Verschärfung der Lage berichtet. Demnach organisierten Mitglieder der Präsidentenpartei eine Jagd auf Tutsis. Martres verwies dabei auch auf Berichte über erste Massaker.

Bis zu eine Million Menschen wurden ermordet

Frankreich habe Habyarimana dennoch "um jeden Preis" unterstützen wollen, um den Einfluss der angelsächsischen Konkurrenz in der Region Afrikas einzudämmen, heißt es in "Le Monde". Botschafter Martres schrieb danach im Februar 1993 nach Hause, ihm habe ein Zeuge mitgeteilt, dass Habyarimana nun "einen systematischen Völkermord" befohlen und dabei auch den Einsatz der Armee angeordnet habe.

Hutu-Präsident Habyarimana war am 6. April 1994 beim Abschuss seines Flugzeugs ums Leben gekommen; der Anschlag galt bisher als Auslöser des Genozides. Bei dem bis zum Juli 1994 dauernden Völkermord wurden vermutlich 800.000 bis eine Million Menschen umgebracht, überwiegend Tutsi und gemäßigte Hutu. (mit AFP)