AhA : Warum wird dem Beifahrer schlecht?

von

Meine Familie kommt aus dem Gargano, dem Sporn des italienischen Stiefels. Wenn ich als Kind auf gewundenen Straßen durch den Gargano geschaukelt wurde, um entlegene Bergdörfer zu erreichen, wurde mir regelmäßig schlecht.

Was bei Serpentinenfahrten ins Schlingern gerät, zeigt ein Blick ins Innenohr. Dort befinden sich die nur erbsengroßen Bogengänge und Otolithenorgane. Sie erfassen die Bewegung im Raum selbst dann, wenn unsere Augen auf ein Buch oder ein Computerspiel gerichtet sind.

„Die Bogengänge registrieren Drehungen“, sagt Andrew Clarke, Leiter des Gleichgewichtslabors der Berliner Charité. „Die drei dünnen Schläuche sind mit einer Flüssigkeit gefüllt.“ Diese schwappt bei Kurvenfahrten hin und her.

Wenn man eine Kaffeetasse dreht, kann der Kaffee zunächst nicht folgen, die Flüssigkeit bleibt zurück. Aufgrund ihrer Trägheit kreist sie auch weiter, wenn man die Tasse wieder anhält. In ähnlicher Weise strömt die Flüssigkeit in den Bogengängen bei Drehungen hin und her. Sie drückt dabei gegen eine Membran, Sinneszellen leiten die Information ans Gehirn weiter.

Tritt der Fahrer auf gerader Strecke aufs Gas, geraten kleine Ohrsteinchen, die Otolithen, in Bewegung. Sie sind schwerer als die umgebende Flüssigkeit und bleiben bei Beschleunigung zurück. Auch sie reizen entsprechende Sinneszellen.

„Wenn die Gleichgewichtsorgane dem Gehirn etwas anderes anzeigen als die Augen, kommt es zu einem Sinneskonflikt“, sagt Clarke. Etwa beim Lesen im Pkw. Vielen Beifahrern wird dann schlecht. Wer dagegen am Steuer sitzt, ist mit den Augen dabei. Unstimmigkeiten bei der Informationsverarbeitung werden so vermieden. Thomas de Padova

0 Kommentare

Neuester Kommentar