AhA : Warum wird man vom vielen Sprechen heiser?

Thomas de Padova

Zwei Schulstunden hält man noch durch. Aber wer bei seiner ersten Erfahrung als Referendar gleich drei oder mehr Stunden vor einer Klasse sprechen muss, dem bleibt schon mal die Stimme weg. Der Unterricht endet mit Heiserkeit.

Politiker oder Marktschreier sind daran gewöhnt, viel zu sprechen. Unsereins kommt kaum einmal auf zwei Stunden am Tag. Mehr ist auch nicht drin, ohne zuvor entsprechend zu trainieren.

Unsere Stimmlippen sind wie die Saiten einer Gitarre in den Kehlkopf eingespannt. Am Kehlkopf sitzen kleine Stellknorpel, an denen mehrere Muskeln ansetzen. Sie legen die Spannung der Stimmlippen fest und damit die Tonhöhe. Werden die Stimmlippen nicht so stark gespannt, ist der Ton tiefer.

Die aus der Lunge kommende Luft versetzt die Stimmlippen in Schwingungen. Sie vibrieren. Beim Mann schwingen die Stimmlippen etwa 100-mal pro Sekunde. Die mittlere Sprechstimmlage der Frau ist mit 200 Schwingungen pro Sekunde, also 200 Hertz, höher.

Ständig zu reden, kann die Muskeln und Stimmbänder belasten. So müssen die Muskeln die Spannung der Stimmlippen aufrechterhalten und sehr schnelle Ein- und Ausschwingvorgänge mitmachen, etwa beim Wechsel von stimmhaften Lauten zu stimmlosen. Die Stimmbänder haben keine eigenen Schleimdrüsen, trocknen leicht aus und müssen befeuchtet werden. Räuspern hilft da nur vorübergehend. Nach langem Sprechen kann der Hals richtig wehtun.

„Es gibt zwei Formen der Heiserkeit, die zusammen auftreten können“, sagt Martin Ptok von der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Wenn die Muskeln zu schwach sind, schließen die Stimmlippen nicht mehr richtig.“ Dann bringt man nur noch gehauchte Laute hervor, und selbst das Flüstern strengt die Stimme an. „Eine andere Form der Heiserkeit ist die Rauigkeit.“ Etwa wenn die rechte Stimmlippe anders schwingt als die linke, weil die Stimmbänder am Ende eines Tages geschwollen sind.

Ist die Stimme wirklich gefordert, sollte man einen Kurs besuchen, rät der Experte. Bei einer professionellen Stimmerziehung lernt man die eigene mittlere Sprechstimmlage besser kennen und verlangt den Muskeln weniger ab. Bei einem kurzen Redestrom genügen die klassischen Hilfsmittel: Bonbons lutschen und viel trinken. Thomas de Padova

0 Kommentare

Neuester Kommentar