Aids-Prozess in Libyen : Rettet ein Deal die bulgarischen Krankenschwestern?

Die Entscheidung über das Schicksal der fünf zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern ist auf den Abend verschoben worden. Den Frauen wird vorgeworfen, sie hätten 400 libysche Kinder absichtlich mit Aids angesteckt. Eine Entschädigungszahlung könnte sie nun retten.

TripolisDie Entscheidung des Obersten Justizrats in Libyen über das Schicksal von fünf zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern und eines palästinensischen Arztes ist um mehrere Stunden verschoben worden. Die Sitzung soll nach amtlichen Angaben um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnen. Ursprünglich wollte das Gremium bereits um 10 Uhr zusammentreten. Aus informierten Kreisen hieß es, der Rat wolle ein Dokument abwarten, in dem die Opferfamilien die Aufhebung der Todesstrafe im Gegenzug gegen eine vereinbarte Entschädigung akzeptierten.

Die Verurteilten wurden von libyschen Gerichten für schuldig befunden, in einem Krankenhaus in Benghasi 438 Kinder mit dem Aids-Virus infiziert zu haben. Sie sitzen seit acht Jahren in Libyen in Haft. Am Sonntag hatten sie ein Gnadengesuch beim Justizrat eingereicht. Das Gremium soll auch über eine Entschädigungsvereinbarung befinden, derzufolge die Familien der Opfer der Zahlung von jeweils einer Million Dollar (726.000 Euro) zustimmen. Die Entscheidung des Justizrats gilt als letzte Chance für die Verurteilten: Er könnte die Todesstrafe aufheben oder in Haftstrafen umwandeln. (mit AFP)