Airbus : Entlassungen trotz voller Auftragsbücher

Großaufträge aus dem Nahen Osten im Wert von über 30 Milliarden Euro lassen den Börsenkurs des gebeutelten Flugzeugbauers in die Höhe schnellen. Auch konnte der erste A380 an eine Privatperson verkauft werden. Trotzdem soll am Sparprogramm und den Entlassungen festgehalten werden.

Airbus A380
Abflug nach Amerika? Alle Flugzeuge sollen von der Abwanderung in den Dollar-Raum betroffen sein. -Foto: dpa

DubaiTrotz schwerer Turbulenzen wegen Lieferverzögerungen wird Airbus ein Rekordjahr bei den Flugzeugbestellungen verbuchen. Mit einer neuen Milliardenorder aus Dubai, die bei der Luftfahrtmesse in dem arabischen Emirat verkündet wurde, wurde der Rekord aus dem Jahr 2005 übertroffen. Der Staatskonzern Dubai Aerospace Enterprise (DAE) gab dabei eine Kaufabsicht über hundert Mittel- und Langstreckenflugzeuge im Wert von 13,5 Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro) bekannt. Schon am Sonntag hatte es eine Milliardenorder der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai gegeben. Gewerkschafter stellten angesichts der Orderflut den Sinn der Werksverkäufe im Zuge des milliardenschweren Sparprogramms Power 8 in Frage.

DAE bestellte bei Airbus 70 Mittelstreckenmaschinen vom Typ A320 und 30 der neuen Langstreckenjets A350 XWB. Erst am Sonntag hatte die gleichfalls in Dubai ansässige Fluggesellschaft Emirates 70 A350 und elf A380 für insgesamt 20,2 Milliarden Dollar bestellt. Es war die größte Einzelorder in der Geschichte von Airbus. Heute kam in Dubai auch Boeing zum Zuge: Die DAE-Tochter DAE Capital, eine Flugzeugleasinggesellschaft, unterschrieb Kaufabsichten für 100 Mittel- und Langstreckenmaschinen im Wert von 13,7 Milliarden Dollar.

1122 bestellte Jets dieses Jahr

In den Airbus-Büchern stünden in diesem Jahr bereits 1122 bestellte Jets, sagte Verkaufschef John Leahy. 2005 waren es im gesamten Jahr 1111 gewesen. Die Aktie des Airbus-Mutterkonzern EADS legte an der Börse kräftig zu. In Paris kletterte das Papier bis zum Mittag um fast vier Prozent.

Die Emirates-Bestellung sei "eine starke Anerkennung des A350-Programms", erklärten Analysten des Finanzhauses Exane BNP Paribas in Paris. "Seine Zukunft ist jetzt gesichert." Airbus hatte große Probleme mit der Maschine, da erste Versionen bei Kunden durchfielen und diese teils auf Boeings 787 Dreamliner umschwenkten. Der A350-Bau wird wegen der notwendigen Neuentwicklung nun doppelt so teuer wie geplant. Die Mehrkosten sind ein Grund für das Sparprogramm Power 8, das die Streichung von 10.000 Stellen und Werksverkäufe vorsieht.

"Fliegenden Palast" für saudischen Prinzen

Airbus A380
Abgehoben. Saudis fliegen bei der Luftfahrtschau in Dubai auf Airbus ab. -Foto: dpa


Es sei "paradox", Rekordbestellungen zu verkünden und gleichzeitig Power 8 durchzuziehen, sagte der Ko-Vorsitzende des europäischen Airbus-Betriebsrates, Jean-François Knepper. Airbus sei auf Jahre hinaus ausgebucht. Ihm sei nicht klar, wie der Konzern die zusätzlich in Dubai bestellten Flugzeuge bauen wolle. Schon im August hätten demnach von Airbus die Investitionen für die Produktion des A350 beschlossen werden müssen. Es sei aber nichts passiert, sagte Knepper. "Wenn unsere Manager die Standortverkäufe in Frage nicht stellen, werden wir die (Liefer-)Fristen nicht einhalten können."

Unterdessen hat ein saudischer Prinz als erster Privatmann den Super-Airbus A380 gekauft. Al Walid bin Talal bin Abdulasis al Saud will das Flugzeug zu einem "fliegenden Palast" ausrüsten. Der Prinz sei der "erste Kunde der VIP-Version des neuen doppelstöckigen Großraumflugzeugs", teilte Airbus in Toulouse mit. Bisher fliegt der saudische Geschäftsmann laut Airbus privat einen Boeing- Jumbo 747-400.

Al Walid kann es sich leisten: Der Gründer und Chef der Investmentgesellschaft Kingdom Holding Company verwaltet ein Vermögen von 25 Milliarden Dollar. In seinem neuen "fliegenden Palast" hat der arabische Adelige 50 Prozent mehr Grundfläche für die Einrichtung zur Verfügung. Auf 551 Quadratmetern kann er sich einrichten, was er mag. Bar, Sauna, Sportraum, Salon, Arbeitsstudio mit Internet und separate Schlafgemächer: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die A380 kann in der Charterklasse bis zu 962 Passagiere aufnehmen. Bisher ist erst eine A380 im Einsatz. (mit AFP/dpa)