Aktionsplan : Leyen will Migrantinnen vor Gewalt schützen

Familienministerin von der Leyen hat einen neuen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vorgelegt. Im Zentrum stehen die Probleme von Migrantinnen, die ungleich häufiger Opfer von Gewalt würden, so die Ministerin.

Berlin37 Prozent der Frauen in Deutschland werden mindestens ein Mal im Leben Opfer von Gewalt; in jedem vierten Fall ist der Partner der Täter. Vor diesem Hintergrund hat Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) den zweiten Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vorgelegt.

Das Projekt hat als neuen Schwerpunkt den Schutz von Migrantinnen. Frauen aus der Türkei oder Osteuropa seien viel häufiger als deutsche Frauen Opfer körperlicher oder sexueller Attacken, sagte von der Leyen. Fast jede zweite türkische Frau habe Gewalt erlebt. Der Aktionsplan bündelt die mehr als 130 Maßnahmen der verschiedenen Ministerien zur Gewalt-Bekämpfung und baut im Wesentlichen auf dem ersten Aktionsplan der rot-grünen Regierung von 1999 auf.

Leyen will mehrsprachige Online-Beratung

Die Gewalt gegen Frauen sei "kein Randproblem", sagte von der Leyen. "Sie geschieht mitten aus der Gesellschaft heraus." Kinder seien in 60 Prozent der Fälle Zeugen der Taten, oft seien sie ebenfalls Opfer, weil sie die Mutter verteidigen wollten. Von der Leyen: "Diese Kinder sind gefährdet, später selbst Täter zu werden."

Um die Gewalt gegen Frauen türkischer Abstammung einzudämmen und gegen Zwangsverheiratungen vorzugehen, soll laut von der Leyen die mehrsprachige Online-Beratung gezielt ausgebaut werden. Neben Integrationskursen sollen auch die "Respekt-Personen" und andere Multiplikatoren in den Migranten-Gemeinden angesprochen werden.

In allen Fällen häuslicher Gewalt ist für von der Leyen die Erste Hilfe entscheidend. Der Gewalttäter - meist der Mann - müsse sofort aus der gemeinsamen Wohnung entfernt werden. Die professionelle Hilfe - etwa aus Frauenhäusern - müsse gleich danach einsetzen.

"Frauen und Kinder leiden lebenslang darunter"

Vor allem Ärzte und Helfer sollen so geschult werden, dass sie bei Verletzungen wie kleineren Platzwunden oder einem blauen Auge auch der Frage nachgehen, ob häusliche Gewalt vorliegen könnte. Entsprechende Erkenntnisse sollen sofort dokumentiert werden - etwa für spätere Prozesse.

Die Früherkennung familiärer Gewalt gegen Kinder ist ein weiterer Schwerpunkt des Aktionsplans. Dafür soll die Vernetzung der Jugendhilfe mit den Schulen und dem Frauenschutz vorangetrieben werden. Sieben Prozent der Kinder geben an, sie hätten im vergangenen Jahr Gewalt zu Hause erlebt.

"Frauen und Kinder leiden lebenslang darunter", sagte von der Leyen. "Gewalt zieht immer neue Gewalt nach sich." Die Ministerin stellte aber auch einen langsamen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft fest: "Dass man ein Kind nicht schlägt, ist inzwischen tief verankert in der Bevölkerung." (mit dpa)