Akw-Pannen : Untersuchung in Brunsbüttel, Streit um Unterweser

Experten der Reaktoraufsicht untersuchen den Sicherheitsbehälter des Atomkraftwerks Brunsbüttel. Inzwischen beginnt auch eine Debatte über die Sicherheit der Atomkraftwerke in Niedersachsen. Doch auch ohne mehrere Akw ist genug Strom für alle da.

Brunsbüttel/Krümmel/HannoverDreieinhalb Wochen nach Beginn der Pannenserie in den schleswig-holsteinischen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel geht die Suche nach Mängeln und Ursachen in den abgeschalteten Anlagen weiter. Zugleich hält die politische Debatte um die Zukunft der älteren Meiler an. In Niedersachsen führte die am Sonntag bekannt gewordene Störung im Atomkraftwerk Unterweser zu einem Streit über die Sicherheit der Meiler.

In Brunsbüttel begannen am Mittag Experten damit, im Sicherheitsbehälter die Befestigung der Wasser- und Dampfleitungen zu kontrollieren. Für die Arbeiten sind laut Betreiber Vattenfall etwa drei Tage vorgesehen. Hintergrund sind Mängel, die in der Verankerung von Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems entdeckt wurden. Bohrlöcher in mehreren Halterungsplatten waren zu groß. Für die Kontrollen im Sicherheitsbehälter musste das Kraftwerk vollständig abgeschaltet werden.

Krümmel bleibt bis Ende August aus

Auch der Reaktor in Krümmel liefert mindestens bis Ende August - dann ist der Abschluss der Revision vorgesehen - keinen Strom. In einem Gebäude mit zwei Notstrom-Dieselgeneratoren waren mehrere falsche Dübel gefunden worden. Die Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel waren nach Pannen am 28. Juni per Schnellabschaltung vom Netz gegangen. Dabei offenbarten sich nach und nach weitere Probleme, Vattenfall trennte sich von Spitzenmanagern in Deutschland.

Die SPD-Spitze stellte sich in der Diskussion um eine vorgezogene Abschaltung älterer Atomkraftwerke hinter Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). In der Telefonkonferenz des Parteipräsidiums habe es für Gabriels Kurs "einstimmige Rückendeckung" gegeben, sagte Generalsekretär Hubertus Heil in Berlin. Gleichzeitig sei man empört über das Verhalten der Energieversorger. Die Sicherheit müsse Vorrang haben vor kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen.

Streit um niedersächsisches Akw

SPD und Grüne im niedersächsischen Landtag kritisierten scharf die CDU/FDP-Landesregierung. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) sei offensichtlich "der Falsche, wenn es darum geht, für eine ordentliche Sicherheitskultur zu sorgen", sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel in Hannover. SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner forderte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) auf, in der Debatte um eine Verlängerung der Laufzeiten für Atommeiler nicht länger "abzutauchen".

Im Atommeiler Unterweser bei Esenshamm war bei der jährlichen Überprüfung bemerkt worden, dass das Notkühlsystem falsch eingestellt war. Im Notfall hätte laut Umweltministerium einer der vier Stränge des Systems nicht die geforderte Kühlleistung erbracht. Allerdings seien zwei der vier Anlagen des Systems nach dem geltenden Sicherheitskonzept für den Notfall ausreichend. Als Ursache wurde eine fehlerhafte Justierung an der Armatur bei der Revision 2006 genannt. "Der Schaden ist behoben", sagte die Sprecherin des Umweltministeriums, Jutta Kremer-Heye. "Zu keinem Zeitpunkt gab es eine Gefährdung der Bevölkerung und der Umwelt." Wegen der routinemäßigen Prüfungen bei der Revision stehe der Atommeiler bis Anfang September still.

Trotz Abschaltung genug Strom

Die Stromversorgung Deutschlands ist trotz des aktuellen Ausfalls von sechs der 17 Atommeiler nach Branchenangaben gesichert. Es gebe keine Versorgungsengpässe, sagte ein Sprecher des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Durch europaweite Vereinbarungen der Netzbetreiber würden Leistungsausfälle ausgeglichen. Außerdem greifen die Betreiber auf Reserven zurück oder kaufen Strom zu, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Die Atomkraft deckt rund ein Drittel der Stromversorgung.

Nach mehreren Pannen stehen die Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel still. Die Meiler Biblis A und B sind bereits seit Monaten wegen Umbauarbeiten vom Netz. Zur jährlichen Revision wurden die Blöcke Unterweser und Isar 2 abgeschaltet. Die genannten Meiler kommen nach Angaben des VDEW zusammen auf eine Netto-Leistung von 7269 Megawatt und decken damit über ein Drittel der gesamten Atomleistung (20.430 Megawatt) ab. An 12 Standorten gibt es 17 Reaktorblöcke. (mit dpa)