Algerien : Al Qaida bekennt sich zu Anschlägen

Der nordafrikanische Zweig der Al Qaida hat sich nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira zu den beiden Selbstmordanschlägen in Algerien bekannt. Zehntausende Menschen beteiligten sich heute in Algerien an Protestkundgebungen gegen die Gewalt.

AlgierDer Fernsehsender Al Dschasira berief sich dabei auf eine Internetmitteilung der Gruppe. Bei den Anschlägen auf eine Marine-Kaserne im Küstenort Dellys in der Kabylei und in der östlichen Stadt Batna kamen mindestens 52 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.

Im 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier gelegenen Dellys steuerte ein Attentäter am Samstag einen mit Sprengstoff beladenen Wagen auf das Gelände der Kaserne. Durch die Wucht der Explosion starben mindestens 30 Menschen, wie das algerische Innenministerium mitteilte. Mehrere vorgefertigte Kasernengebäude wurden zerstört. Bei den Toten handelte es sich den Angaben zufolge um Mitglieder der Küstenwache sowie um drei Zivilisten. Auch unter den knapp 50 Verletzten waren demnach zahlreiche Zivilisten.

Demonstrationen gegen Gewalt

Bei dem Anschlag am Donnerstagabend in Batna waren 22 Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden. Der Attentäter stand inmitten einer Menschenmenge, die auf Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika wartete. Offenbar zündete der Mann seine Bombe, die eigentlich dem Präsidenten galt, vorzeitig, nachdem er entdeckt worden war. Bouteflika kündigte im Fernsehen an, die für das Attentat verantwortlichen "Kriminellen" zu verfolgen, bekräftigte aber gleichzeitig das Festhalten an seiner Politik der nationalen Versöhnung.

Die Uno, die US-Regierung und die frühere Kolonialmacht Frankreich verurteilten die beiden Anschläge. Die EU sagte Algerien Unterstützung im Anti-Terror-Kampf zu. In den großen Städten Algeriens fanden heute Kundgebungen zur Verurteilung der Gewalt statt. In Algier nahmen daran Regierungschef Abdelaziz Belkhadem von der früheren Einheitspartei Nationale Befreiungsfront (FLN) sowie der Chef der mit ihr verbündeten liberalen Nationalen Sammlungsbewegung für Demokratie (RND), der frühere Ministerpräsident Ahmed Ouyahia und die Vorsitzende der linksgerichteten Arbeiterpartei (PT), Louisa Hanoune, teil.

Seit der Annullierung eines Urnengangs von 1991, aus dem die mittlerweile aufgelöste Islamische Heilsfront als Sieger hervorgegangen war, kommt es in Algerien immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten. Vor knapp fünf Monaten waren bei zwei Selbstmordanschlägen in Algier mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. (mit AFP)