Der Tagesspiegel : „Alhambra“ unterm Hammer

Das Weddinger Kino wird zwangsversteigert

Jan Oberländer

Am Donnerstag kommt das Traditionskino „Alhambra“ an der Seestraße in Wedding vor dem Amtsgericht Wedding unter den Hammer. Der Verkehrswert des 1017 Quadratmeter großen Grundstücks ist auf 6,6 Millionen Euro angesetzt. Es wird ein schwerer Tag für den Bauherrn und ehemaligen Eigentümer Leopold Wegenstein. Die Großeltern des 57-Jährigen hatten 1912 am gleichen Ort das Stummfilmkino „Apollo“ eröffnet. 1921 wurde es ausgebaut und in „Alhambra“ umbenannt. Der Bau wurde im Krieg fast vollständig zerstört. An der Ruine hingen Werbeplakate, bis das „Alhambra“ 1953 neu erbaut wurde. 1996 erbte Leopold Wegenstein das Kino, das im alten West-Berlin Kultwert erlangt hatte, wirtschaftlich aber in immer schwereres Fahrwasser geraten war.

Im Jahr 1999 machte Wegenstein einen mutigen Schritt, ließ das Haus abreißen und investierte einen zweistelligen Millionenbetrag in einen Neubau mit sechs Stockwerken. Im Mai 2002 erleuchtete die verglaste Fassade des neuen „Alhambra Cine Eck“ in bunten Neonfarben. Die sieben Säle mit über 1700 Plätzen, das Café und ein Restaurant lockten allerdings nicht genug Besucher an, um die Kosten zu decken. 2004 kam das „Alhambra“ unter Zwangsverwaltung, das Haus wurde an die Betreiberfirma Kinocenter Neukölln GmbH (KNC) verpachtet.

Doch auch unter der neuen Leitung liefen die Geschäfte schlecht. Vielleicht, sagt KNC-Geschäftsführer Günther Mertins, habe das mit der Lage zu tun, der Wedding sei zwar „schön“, aber nicht gerade wohlhabend. Auch hätten sich bereits vor der Neueröffnung konkurrierende Multiplexkinos in Tegel und in der Kulturbrauerei etabliert. „Der Kuchen war schon verteilt.“ Im Juli 2007 wurde die Zwangsversteigerung des „Alhambra“ angeordnet.

Mertins würde eine Schließung des Traditionshauses bedauern. „Den Standort muss man halten, auch für den Bezirk.“ Ein paar Besucher kämen schließlich schon. Die KNC würde das Kino jedenfalls gern als Betreiber weiterführen, falls man sich mit dem neuen Besitzer einig würde.Jan Oberländer

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