Der Tagesspiegel : Alles klar

Taucher und Badende können sich freuen: Die Seen in Brandenburg sind in diesem Jahr besonders sauber

Thorsten Metzner

Potsdam. Weit schweift der Blick, viel weiter als sonst – Taucher und Badende haben fast ungetrübte Sicht. Viele Seen in Brandenburg, dem gewässerreichsten Bundesland, sind in diesem Sommer deutlich klarer als sonst. Das bestätigt auch der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude: „Dieser Eindruck stimmt. Viele Seen sind fast unanständig klar.“ So liege die Sichttiefe im Parsteiner See im Nordosten des Landes, nur ein Beispiel, derzeit bei fünf bis sieben Metern. Vor einigen Jahren seien knapp zwei Meter die Regel gewesen.

Ursache ist in erster Linie ein natürliches Phänomen. Freude beschreibt einen Wettstreit um Nährstoffe, den in diesem Jahr zunächst die Unterwasserpflanzen gewonnen haben: Die Seen sind klarer, weil es den großen Wasserpflanzen gelang, sich zuerst zu entfalten. Sie kamen damit den Mikroalgen zuvor, die sonst das Wasser trüben und denen dadurch nicht genügend Nährstoffe blieben. Gelingt es den Mikroalgen, sich zuerst zu vermehren, wird das Wasser trüb – den großen Pflanzen fehlt das Licht.

Neben diesem natürlichen Wechselspiel setzt sich aber auch, so bestätigt Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD), der schon seit Jahren wirkende Trend weiter fort: „Die Güte der märkischen Gewässer wird immer besser. Die Seen und Flüsse werden sauberer.“ Das liegt an moderneren Kläranlagen und den zurückgegangenen Abwassereinleitungen. Mussten von 1800 Kilometern Fließgewässern 1990 noch 27 Prozent als stark bis übermäßig verschmutzt eingestuft werden, sind es nach Angaben des Landesumweltamtes jetzt nur noch rund 15 Prozent: Tendenz weiter sinkend. Bei den Seen bietet sich ein ähnliches Bild: Bereits 44 Prozent der märkischen Seen rangieren auf der Fünf-Stufen- Skala in den beiden besten Güteklassen.

Mussten vor sechs Jahren noch für rund 300 der rund 400 regelmäßig untersuchten Badestellen zeitweise Badeverbote ausgesprochen werden, kam es in den letzten Jahren nur noch in Ausnahmefällen dazu. Derzeit gibt es laut Birthler „nur ein Sorgenkind“: der Neuendorfer See (Dahme-Spreewald), wo erhöhte Keimkonzentrationen gemessen wurden. Auch die Havelgewässer, wo es wegen bakterieller Belastungen früher mehrfach Badeverbote gab, sind keine Problemfälle mehr. Freude weist darauf hin, dass die Havel immer etwas trüber bleiben wird, weil es dort viele Nährstoffe gibt.

Grundsätzlich gilt weiterhin die Faustregel: Die saubersten und klarsten Seen finden sich im Norden Brandenburgs. Und: Die Qualität wächst mit der Entfernung von Berlin. Die klarsten Seen sind der Stechlinsee und der Frankfurter Helenesee, gefolgt vom Parsteiner See, dem Werbellinsee, dem Nymphensee (Oberhavel), dem Straussee (Märkisch Oderland) und dem Sabinensee bei Templin.

Zwar sind Umweltexperten wie Freude überzeugt, dass sich der Trend zu saubereren Seen weiter fortsetzen wird. Schon im Juli könnte jedoch zumindest der Blick wieder etwas getrübt werden: Wenn das Wetter so schön bleibt, könnte es laut Gesundheitsminister Günter Baaske eine „extreme Blaualgenplage“ geben. Blaualgen lieben Wärme und Trockenheit. Gefährdet sei vor allem die Havel. Ein weiteres Problem: Untersuchungen haben ergeben, dass Bestandteile der „Pille“ aus dem weiblichen Urin den Östrogenanteil in den Seen erhöhen. Sie gelangen in den Nahrungskreislauf von Fischen, Muscheln und Krebstieren, das Geschlechterverhältnis zwischen Weibchen und Männchen schlägt „gravierend“ zu einer Seite um, was laut Freude negative Auswirkungen auf die Fortpflanzung dieser Arten hat.

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