Als erstes Bundesland : Klein-Hubschrauber für Brandenburgs Polizei

Brandenburgs Polizei wird mit Klein-Hubschraubern ausgerüstet, hat das Innenministerium entschieden. Als erstes Bundesland wird Brandenburg in der Polizei regulär solche "Tragschrauber" einsetzen.

Thorsten Metzner
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Wächter im Wind.

Potsdam - Es ist amtlich: Als erstes Bundesland wird Brandenburg in der Polizei regulär Tragschrauber einsetzen. Das hat Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) nach Abschluss eines zweijährigen Testversuches mit den exotisch aussehenden Flugmotorrädern („Gyrocopter“) in der brandenburgischen Polizei entschieden, bestätigte er am Mittwoch dem Tagesspiegel. Der Gyrocopter sei ein „sicheres Gerät“, sagte Schönbohm. Es sei „insbesondere in einem Flächenland als Einsatzmittel für den ländlichen Raum prädestiniert, „etwa zur Unterstützung der Wasserschutzpolizei oder zur Verkehrsüberwachung“. Es erleichtere die Arbeit, sei eine Ergänzung zu Funkstreifenwagen und Hubschraubern, bei denen die Flugstunde zudem zwanzig Mal teurer sei als beim Gyrocopter, so Schönbohm, der heute den Innenausschuss informieren will.

Konkret sieht die Entscheidung Schönbohms so aus, dass Brandenburg keine eigene Polizei-Tragschrauberflotte anschaffen wird, sondern „Gyrcopter“ von privaten Anbietern samt Piloten nach Bedarf anmieten wird – als Co-Pilot fliegt dann ein Polizist mit, der aus der Luft auch Fotos und Videos machen kann. Außerdem sollen vier Freiwillige aus der brandenburgischen Polizei zu Gyrocopter-Piloten ausgebildet werden, kündigte Schönbohm an. Seine Vorgabe ist klar: „Im Sommer sind die Vögel in der Luft.“

Geplant ist zunächst in jedem der beiden Polizeipräsidien Potsdam und Frankfurt/Oder ein Stützpunkt, bei Bedarf sollen es mehr sein. Die genauen Regularien sollen über eine „regionale Ausschreibung“ mit privaten Anbietern von Gyrocopter-Flügen geklärt werden. Ziel ist es, dass die Gyrocopter, wie beim Praxistest im vorigen Jahr, über die Leitstellen von der Polizei für Einsätze angefordert werden können. „Das hat sich bewährt“, sagte Sven Bogacz, Chef des Tragschrauberprojekts in der Polizei und Leiter des Schutzbereichs Brandenburg an der Havel, in dem das Gerät unter Einsatzbedingungen erprobt worden war. „Am Ende konnten wir nicht mehr alle Anfragen berücksichtigen, weil das Flugkontingent auf 160 Stunden begrenzt war“, so Bogacz.

Experten in Polizei und Innenministerium hatten intern sogar einen Kauf von drei Gyrocoptern für insgesamt 180 000 Euro empfohlen. Doch eine solche „finale Entscheidung“ will  Schönbohm, der im Herbst in Pension geht, dann doch seinem Nachfolger überlassen. Gegen die Einführung der Tragschrauber hatte es Widerstände der Gewerkschaft der Polizei und der Links-Opposition gegeben. Innenminister Schönbohm schloss nicht aus, dass jetzt erneut Kritik am Gyrocopter-Einsatz laut wird. „Aber man muss offen für neue Technik sein, gerade bei der Polizei.“

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