Der Tagesspiegel : Alternative Energien: Nutzung der Windenergie hat Tradition

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Was heute abwertend als "Verspargelung" bezeichnet wird, hat in Deutschland eine lange Tradition. Um die Jahrhundertwende drehten sich allein in Norddeutschland noch 30 000 Windmühlen. Mit der Verbreitung der Elektrizität waren die Windmühlen nach und nach aus dem Landschaftsbild verschwunden. Die wenigen, die übrig blieben, sind heute beliebte Ausflugsziele - und erleben eine Renaissance. Über den frischen Wind in alten Mühlen freut sich besonders der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer. Er kann für Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile rund 60 Mühlen auflisten, denen auf wundersame Weise wieder Leben eingehaucht wurde. Als Kornkammer des Ostseeraums besaß Mecklenburg-Vorpommern einst mehr als 1000 dieser Mahlstätten. Nur etwa 200 davon haben die Zeit überdauert, befanden sich aber zumeist in erbarmungswürdigem Zustand.

Nach dem Windmühlenprinzip hatte der Rheinländer Herrmann Honnef - Ingenieur, Stahlbauer und Erfinder - bereits in den 20er und 30er Jahren neben gigantischen Funkmasten Pläne für die ersten Modelle moderner Windkraftwerke entworfen. Seine Türme sollten mindestens 250 Meter weit in den Himmel ragen, die gegenläufigen Windräder einen Durchmesser von bis zu 160 Metern umfassen. 1924 hatte Honnef in Königs Wusterhausen den größten frei stehenden Stahlturm Deutschlands für Sendeanlagen errichtet.

Im März 1932 machte Honnef mit neuen Ideen im Verkehrsministerium Wind. Die Fachleute waren beeindruckt - die Nationalsozialisten auch. Bei Bötzow-Velten bei Berlin wurden von 1941 bis 1944 Versuchs-Windkraftwerke in Betrieb genommen. Doch Honnef fand keine Lobby für die Serienproduktion. Eine Forschungsschrift von Matthias Thiede besagt, dass die Banken ihre Investitionen in die herkömmliche Stromwirtschaft gefährdet sahen und hohe Summen bewegten, um Honnefs Pläne zu verhindern. Im Februar 1945 musste er die Forschungen einstellen.

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