Der Tagesspiegel : Alternative Fleischangebote: Jetzt geht es um die "Neuland"-Wurst

Simone Leinkauf

Christian Meissner nutzt die politische Großwetterlage und das Bestreben der neuen Landwirtschaftsministerin, Fleisch und Wurst für den Verbraucher sicherer zu machen - schließlich will Renate Künast mit Blick auf die jüngsten Skandale ökologisch kontrollierten Anbau und artgerechte Tierhaltung im großen Stil fördern. Bisher liegt in Deutschland der Anteil von verkauftem Fleisch aus Öko-Betrieben oder artgerechter Tierhaltung im Promillebereich. Greifen die Pläne der grünen Politikerin, dann müsste sich das in Zukunft ändern. Christian Meissner jedenfalls hofft darauf: Nachdem er in seinem Fleischerfachgeschäft in der Karl-Liebknecht-Straße in Potsdam-Babelsberg schon seit zwei Jahren eine kleine Palette an Neuland-Fleisch anbietet, stellt er sein Fleischangebot als erster Fachhändler in den Neuen Bundesländern nun komplett um.

Auf kleinem Raum wird es neben dem Imbissstand noch ein paar Wurstsorten aus konventioneller Herstellung geben, "damit die älteren Leute auch noch ihre gewohnte Wurst finden". Fleisch dagegen will er nur noch aus Neuland-Beständen anbieten, um die Kunden nicht zu verunsichern: "Auch wenn man korrekt mit verschiedenen Fleischbeständen umgeht, so fragt schon mancher Kunde, ob nicht einfach die Schnitzel aus konventioneller Tierhaltung rübergepackt werden, wenn die Neuland-Schnitzel alle sind," sagt Meissner. In Zukunft wird es in der Karl-Liebknecht-Straße kein Fleisch mehr aus konventionellen Beständen geben. Ganz so mutig sind die anderen Brandenburger Fleischer, die Neulandprodukte anbieten, noch nicht: In Kleinmachnow führt die Metzgerei Bleich neben Neulandfleisch auch Fleisch aus konventioneller Tierhaltung. Ebenso halten es die Metzger in der Stadt Brandenburg und in Bergfelde, die seit letztem Monat Neulandfleisch im Angebot haben.

Der Zeitpunkt für die Umstellung ist gut gewählt, man könnte Meissner in den Neuen Bundesländern fast als Trendsetter bezeichnen: In der Folge der BSE- und MKS-Diskussion ist die Nachfrage nach alternativen Fleischangeboten deutlich gestiegen. Wer nicht Vegetarier werden will, überlegt sich schon, woher das Steak in der Pfanne kommt. Seit Ende vergangenen Jahres verkauft Meissner mehr Neuland-Fleisch als zuvor. Er schätzt den Anteil inzwischen auf annähernd 50 Prozent. Meissner nutzt die Chance - zum zweiten Mal: In einer Zweigstelle in der Heinrich-Mann-Allee stellte er schon 1997 sein komplettes Angebot auf Neuland um. Doch er machte zwei Jahre später pleite: "Das war zu früh, das falsche Umfeld und die falsche Konzeption." Jetzt ist er optimistisch, dass die Kunden die Umstellung seines Fleischangebotes annehmen werden. Mit dem Verlust einiger Käufer rechnet Meissner dennoch: "Schließlich ist Neuland-Fleisch trotz der gestiegenen Preise beim konventionellen Fleisch immer noch um 20 bis 25 Prozent teurer." Doch Meissner hofft auf neue Kunden, die dann nicht mehr den Weg nach Berlin antreten müssen. Außerdem kann sich der Potsdamer eine kurze Durststrecke erlauben, da er noch eine Zweigstelle unter dem Dach eines Supermarktes hat, wo weiterhin Fleisch aus konventioneller Tierhaltung angeboten wird. Wenn aber die Umstellung im Hauptgeschäft erfolgreich verlaufen ist, dann möchte er auch dort allmählich auf Neuland-Fleisch umstellen. Die Zeichen stehen gut: Neben dem Hauptgeschäft hat in der vergangenen Woche ein Biomarkt mit Lebensmitteln und Weinen aus ökologisch kontrolliertem Anbau aufgemacht: "Das ist doch ideal", freut sich Meissner, "da können die Leute dort ihr Gemüse kaufen und bei mir dann gleich das Schnitzel dazu.

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