Altlasten : Sonnenstrom statt Munition

Auf einem ehemaligen Militärgelände russischer Truppen entsteht Europas größter Solarpark.

Claus-Dieter Steyer

Peitz - Mit Sonnenenergie kann man derzeit nicht nur gute Gewinne erwirtschaften, in Brandenburg können dank der Umweltinvestitionen auch militärische Hinterlassenschaften beseitigt werden. Ein solches Pilotprojekt startete gestern auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose bei Peitz im Südosten Brandenburgs. Dort entsteht bis zum nächsten Jahr Europas größtes Solarkraftwerk. Auf einer rund 150 Hektar großen Fläche werden Solarzellen 50 Megawatt Strom produzieren. „Und einen Teil der Erlöse stecken wir in die Munitionsberäumung der Lieberoser Heide“, sagt der Unternehmer Michael Lindner.

Die Firma von Lindner pachtete für 28 Jahre von der Landesforstverwaltung die Produktionsfläche. Mit der Pacht und der Gewinnbeteiligung an der Stromeinspeisung wird die dringend notwendige Munitionsberäumung in einem rund 400 Hektar großen Wald- und Heidestück bezahlt, das direkt nebenan liegt. „Die kostet rund fünf Millionen Euro“, sagte Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) beim Baustart der Anlage. Dieses Geld sei in absehbarer Zeit nicht aufzubringen.

Dabei drängt gerade in diesem Bereich die Zeit. Denn bis Anfang der neunziger Jahre betrieben die russischen Truppen hier ein riesiges Chemielager. Wie auch auf anderen Brandenburger Übungsplätzen üblich, achteten die Soldaten auch in der Lieberoser Heide nur wenig auf die Einhaltung des Umweltschutzes. Die größten Schäden aber passierten in den Wochen und Monaten des Truppenabzuges zwischen 1992 und 1994. Um Zeit zu sparen, wurden größere Mengen an Munition, chemischen Kampfstoffen und selbst größere Gerätschaften einfach im Waldboden vergraben. Damit übergaben die Militärs den deutschen Behörden vor der Abfahrt nach Russland zwar oberflächlich eine saubere Fläche, doch im Erdreich drohen nun die Chemikalien ins Grundwasser zu gelangen.

Zwischen 160 und 180 Millionen Euro investiert der Forster Unternehmer in den Solarpark. Er will so viel Energie liefern, dass damit der Jahresbedarf von bis zu 15 000 Haushalten gedeckt werden kann. Das entspricht einer Ersparnis von rund 30 000 Tonnen Kohlendioxid, die von einem Kohlekraftwerk vergleichbarer Leistung in die Luft gepustet würden. Ähnliche Anlagen stehen auf einem 77 Hektar großen Areal in Arnstein bei Würzburg, wo jährlich zwölf Megawatt Strom produziert werden, und in der Nähe von Leipzig. Hier soll auf einem früheren Militärflugplatz Ende 2009 ein 220 Hektar großer Solarpark mit 40 Megawatt Leistung in Betrieb gehen. Wie Umweltminister Woidke sagte, werden bei Lieberose auch die Auswirkungen solcher Anlagen auf die Vogelwelt getestet. Bei einem Erfolg könnten sich noch weitere Übungsplätze in Solarparks verwandeln – und so den in Brandenburg derzeit bei rund zwölf Prozent liegenden Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromproduktion bis 2020 auf 20 Prozent erhöhen.

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