Der Tagesspiegel : Am Grenzübergang Dreilinden entsteht ein Museum

Helmut Caspar

Drewitz - Wenn alles nach Plan geht, gibt es in zwei Jahren auch an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Drewitz-Dreilinden ein Mauermuseum. Zwar dürfte es weniger stark frequentiert werden als das am Checkpoint Charlie an der Berliner Friedrichstraße. Aber dafür wird es in einem authentischen Gebäude der DDR-Grenzer, dem ehemaligen Kommandantenturm, eingerichtet. Der Kleinmachnower Verein Checkpoint Bravo kümmert sich um die Rettung des desolaten Gebäudes an der Autobahn 115, das einst die Zentrale der weiträumigen Grenzanlage bildete, die vielen noch in unangenehmer Erinnerung ist. „Wer als Westdeutscher oder West-Berliner die Grenzübergangsstelle Drewitz passieren wollte, musste auf lange Wartezeiten, Befragungen und mitunter schikanöse Kontrollen gefasst sein. Immer wieder wurden hier auch DDR- Flüchtlinge aus den Autos von Transitreisenden geholt und anschließend zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Das darf nicht vergessen werden, deshalb müssen die letzten steinernen Zeugnisse erhalten werden“, sagt Vereinsvorsitzender Peter Boeger. Eingesetzt wurde in Dreilinden auch die so genannte „Technik 5“ – das Durchleuchten der Fahrzeuge mit Gammastrahlen, um Flüchtlinge aufzuspüren, die sich etwa zwischen der Ladung von Lastwagen versteckt hatten. „Die Existenz einer solchen mit Cäsium 137 betriebenen Anlage unterlag strikter Geheimhaltung“, berichtet Boeger. Nach dem Fall der Mauer seien die Geräte schnell und konspirativ beseitigt worden.

Nach langem Mühen ist nun der Weg für die Sanierung des von Graffiti überzogenen Turms mit Hilfe von ABM-Kräften und seine Umwandlung in ein Museum frei. Dafür stehen 114 000 Euro zur Verfügung, die sich aus Zuschüssen des Landes Berlin, der Gemeinde Kleinmachnow, Eigenmitteln des Vereins und Spenden zusammensetzen. Der Europarc Dreilinden überlässt den Kommandantenturm dem Verein für 25 Jahre mietfrei; der Vertrag trat gestern in Kraft.

Das Sanierungskonzept sieht laut Boeger die Erneuerung des löchrigen Dachs und die Verglasung der zerschlagenen Fenster vor. Außerdem müssen Innenwände erneuert werden. „Wir wollen am Wachturm die Spuren der Zerstörung und Alterung nicht tilgen, sondern dokumentieren auch ein Stück Umgang mit der Grenze nach dem Fall der Mauer“, sagt Boeger. Die künftige Ausstellung in dem Turm soll gelungene und gescheiterte Fluchtversuche dokumentieren und zeigen, wie das Grenzregime vor und nach 1961 ausgesehen hat.

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