Amerikagrippe : Erster Fall in China

Die Zahl der Grippeinfizierten steigt weltweit. Die USA bestätigten an einem Tag 300 neue Fälle. Nun wurde das Virus auch in China entdeckt. Bislang starben mehr als 50 Menschen an der Schweinegrippe.

PekingDas Gesundheitsministerium in Peking teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua mit, das H1N1-Virus sei bei einem 30-jährigen Mann festgestellt worden. Dieser sei kürzlich von einer Studienreise in die USA zurückgekehrt. Der Patient liege in einem Krankenhaus in der südwestchinesischen Stadt Chengdu.

300 neue Fälle in den USA

Unteressen teilte das US-Seuchenkontrollzentrum CDC in Washington mit, dass allein am Sonntag knapp 300 neue Fälle bestätigt worden sind. Die Zahl der infizierten Menschen liege mittlerweile bei 2532. Die USA sind nach Mexiko das Land mit den meisten Todesfällen. Drei Menschen starben dort bisher an dem neuen Influenza-Virus A/H1N1. In Mexiko wurden bisher 48 Opfer bestätigt.

Weltweit ist die Zahl der Erkrankungen zum Wochenauftakt auf 5.132 gestiegen, wie das EU- Zentrum für Seuchenbekämpfung mitteilte. In Europa stieg der Zahl der Krankheitsfälle auf 196, davon entfallen elf auf Deutschland.

In Mexiko und den Ländern Mittelamerikas erhalten die Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe unterdessen aufrecht. In zwei mexikanischen Bundesstaaten bleiben die Schulen eine Woche länger geschlossen. In Guatemala wurde eine erhöhte Alarmbereitschaft ausgerufen, nachdem neuer Infektionsfälle bekannt wurden.

Kritik an WHO Kampagne

Indes kritisierte der Schweizer Soziologe und ehemalige UN-Sonderberichterstatter, Jean Ziegler, den Umgang mit der Schweinegrippe scharf. Vor allem die Kampagne der WHO schüre Angst und stehe in keinem Verhältnis zu den wirklichen Problemen. "Von 6,2 Milliarden Menschen sind vermutlich seit einigen Wochen etwa 45 an der Grippe gestorben. Aber 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und seinen unmittelbaren Folgen", sagte Ziegler am Wochenende.

Das Virus wird sich nach Einschätzung von Experten nun vor allem auf der Südhalbkugel ausbreiten, wo mit dem Beginn der kälteren Jahreszeit ohnehin die Zahl der saisonalen Grippeinfektionen wächst. Experten befürchten, dass sich der Erreger H1N1 mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 vermischen und einen neuen Stamm bilden könnte. (sh/dpa/Reuters)