Amerikagrippe : Forscher vermuten zehnfache Anzahl Infizierter

Zehnmal so viele Menschen als bisher vermutet, haben sich womöglich in Mexiko mit dem H1N1-Virus infiziert. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam in einem Aufsatz des Magazins "Science".

WashingtonDie Amerikagrippe, auch bekannt als "Schweinegrippe", hat bis Ende April womöglich bereits 23.000 Menschen in Mexiko infiziert, behaupten die Forscher in ihrem Text. Registriert sind bislang nur 2000. Das Virus sei deutlich leichter übertragbar als normale Grippe-Erreger.

Hauptautor Neil Ferguson vom Imperial College in London vergleicht die Virenausbreitung mit den schweren Grippe-Pandemien des vergangenen Jahrhunderts. Eine Erkrankung sei allerdings weniger gefährlich: Lediglich 0,4 bis 1,4 Prozent aller Infizierten würden an der Grippe sterben. Als möglichen Grippeherd identifizierten die Forscher das Dorf La Gloria im Bundesstaat Veracruz an der Ostküste Mexikos: Dort könnte der Ausbruch Mitte Februar seinen Ursprung genommen haben.

Amerika- oder Schweinegrippe - wie heißt die Krankheit richtig?

Unter Experten herrscht keine Einigkeit über die korrekte Bezeichnung für die sich momentan rund um den Globus ausbreitende Viruserkrankung. Ausgehend von der geographischen Lage der ersten Nachweise des neuen Virus', sprechen die einen von der Amerika- oder Amerikanischen Grippe. Der Begriff Schweinegrippe ist insofern irreführend, als er so klingt, als könnten sich nur Schweine damit anstecken, oder als infiziere sich der Mensch – wie bei den meisten menschlichen Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus – durch den Kontakt mit Tieren. Richtig ist, dass lediglich das Erbgut des Virus genetisches Material von Erregern enthält, die neben dem Menschen auch Schweine und Vögel befallen. Wo das Virus seinen Ursprung hat, ist unbekannt. (mm/dpa)