Amerikagrippe : Weitere Menschen in Mexiko gestorben

Die Zahl der Toten durch die sogenannte Schweinegrippe ist in Mexiko auf 60 angestiegen. Experten vermuten, dass sich zehn Mal mehr Menschen mit dem Virus infiziert haben, als bisher angenommen.

Mexiko-Stadt Zwei weitere Menschen seien an der von einem mutierten Virus ausgelösten Krankheit gestorben. Dies teilte Gesundheitsminister José Ángel Córdova mit. Seit dem erstmaligen Feststellen der neuen Grippe Ende April wurden nach Angaben der Behörden 9000 Verdachtsfälle geprüft. In 2446 Fällen habe sich der Verdacht bestätigt. Experten schätzen jedoch, dass die Schweinegrippe in Mexiko etwa zehnmal so viele Menschen infiziert habe.

Unterdessen gibt es auch in Belgien einen ersten Fall von Schweinegrippe. Ein 28 Jahre alter Mann, der vor wenigen Tagen von einer Reise aus den USA zurückgekehrt war, habe erste Symptome, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga.

Die EU vereinbarte mit der Rio-Gruppe lateinamerikanischer Staaten, im Kampf gegen die Schweinegrippe zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden die "bestmöglichen Wege und Möglichkeiten geprüft, um Unterstützung beim Kampf gegen den Ausbruch (der Schweinegrippe) bereitzustellen", hieß es in einer veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der EU und der Rio-Gruppe nach Beratungen der Außenminister.

Nach ersten Berechnungen von Experten könnten in Mexiko bis Ende April bereits 23.000 Menschen infiziert gewesen sein, schrieb ein internationales Team im US-Fachjournal "Science". Das Virus sei deutlich leichter übertragbar als ein gewöhnlicher Grippeerreger.

Weltweit sind derzeit fast 5.300 Fälle aus mehr als 30 Ländern gemeldet. Mexikanische Wissenschaftler untersuchten unterdessen, ob die Schweinegrippe eventuell durch zwei verschiedene Erreger ausgelöst werde. Damit ließe sich erklären, warum die Sterblichkeitsrate so unterschiedlich hoch ist, sagte Córdova.

Auf politischer Ebene setzte sich die Regierung in Mexiko-Stadt gegen Vorwürfe des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro zur Wehr. Der kubanische Ex-Präsident hatte behauptet, Mexiko habe den Ausbruch der Krankheit zunächst verheimlicht, um den Besuch von US- Präsident Barack Obama im April nicht zu gefährden. Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa habe die Behauptungen energisch zurückgewiesen, stand in einer vom Außenministerium verbreiteten Erklärung. Internationale Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Grippe Mitte Februar im Dorf La Gloria im Bundesstaat Veracruz an der Ostküste Mexikos begonnen haben könnte. (aku/dpa)