Amerikagrippe : Zahl der Erkrankungen steigt weiter

Die Infektionen mit dem neuen H1N1-Virus reißen nicht ab. Die Zahl der weltweit bestätigten Erkrankungen stieg auf über 1200. Darunter ist auch ein neuer Fall in Deutschland. Das Grippe-Stammland Mexiko will in Kürze zur Normalität zurückkehren.

Berlin/StockholmDie sogenannte Schweinegrippe wurde bei einem Mann aus dem Harzkreis in Sachsen-Anhalt festgestellt. Der 38-Jährige hielt sich zuvor in Mexiko auf. Der Verlauf der Krankheit sei jedoch so leicht, dass der Patient gar nicht erst ins Krankenhaus müsse, sondern zu Hause isoliert werde, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Damit gibt es in Deutschland neun nachgewiesene Infektionen.

RKI-Präsident Jörg Hacker sieht für Deutschland "eine gewisse Stabilisierung der Lage", aber noch keinen Grund zur Entwarnung. "Die Zahl der Verdachtsfälle geht nach unten", sagte er. Dennoch sei auch in den kommenden Tagen mit einzelnen Grippe-Erkrankten zu rechnen. Außerdem verändere das Virus beständig sein Erbgut, was potenziell zu einer erneuten Ausbreitung führen könnte.

Weltweit 1279 nachgewiesene Infektionen

Unterdessen gab das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) die Zahl der weltweit bestätigten Grippefälle mit 1279 an. Davon entfallen 107 Ansteckungen auf Europa, wobei die Krankheit hier bisher milde verläuft, wie die Stockholmer Experten betonten. Weltweit sind 21 Länder betroffen, elf davon in Europa. Gestern hatte die Gesamtzahl der Virus-Infektionen die 1000er-Marke überschritten.

Der zuständige ECDC-Sprecher Angus Nicoll warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen wegen des bisher meist milden Verlaufs der Erkrankungen: "Pandemien sind äußerst schlüpfrige Kreaturen, und sie können sich vor aller Augen verändern." Er verwies auf die Spanische Grippe 1918 und 1919, die erst in der zweiten und dritten Welle zu zahlreichen Todesfällen geführt habe.

Mexiko will Schulen wieder öffnen

In Mexiko, dem mit Abstand am stärksten betroffenen Land, stieg die Zahl bestätigter Infektionen seit gestern um 137 auf 727. Allerdings sieht die Regierung den Höhepunkt der Epidemie erreicht und will schrittweise zur Normalität zurückkehren.

Präsident Felipe Calderón kündigte gestern an, dass am Donnerstag die Oberschulen und Universitäten wieder geöffnet werden. Die Grundschulen und Mittelstufen sollen am Montag folgen. Bisher sind in Mexiko 26 Menschen an den Folgen der Grippe gestorben. (rf/dpa)