Der Tagesspiegel : Anbaden im Land der 3000 Seen

Gesundheitsämter versprechen ungetrübte Freuden – im wahrsten Sinne des Wortes

Claus-Dieter Steyer

Bernau. Runter vom Rad, in Windeseile aus Hose und Schuhen steigen und dann ein Sprint ins erfrischende Nass. Überall in Brandenburg glichen sich am Wochenende die Bilder. Bei Temperaturen kurz unter der 30-Grad-Marke herrschte an vielen Seen Hochbetrieb, auch wenn Wassertemperaturen zwischen 16 und 18 Grad zunächst eine gewisse Überwindung kosteten. Schließlich vollzogen die meisten Ausflügler zwischen Freitag und Sonntag ihr ganz persönliches Anbaden für das Jahr 2003.

Dicht bevölkert waren besonders der Liepnitz- und der Obersee bei Bernau. Mit rund 3000 Seen von jeweils mehr als einem Hektar Größe liegt Brandenburg an der Spitze in der Bundesrepublik. Dazu kommen 33 000 Kilometer Fließgewässer, also Havel, Spree, Oder, Elbe, Stepenitz, Elster und viele kleinere Flüsse.

Nun eignen sich zwar nicht alle Gewässer zum Baden. Doch das Gesundheitsministerium zählt immerhin 224 Badestellen von überregionaler Bedeutung. Diese werden alle 14 Tage von den Gesundheitsämtern der Kreise auf Sauberkeit, Sichttiefe, Färbung des Wassers und mögliches Auftreten von Salmonellen, Pestiziden oder Schwermetallen untersucht. Die Ergebnisse stehen im Internet unter der Adresse www.brandenburg.de/badestellen sowie im Videotext des RBB Brandenburg. Bislang melden die Behörden nirgendwo Probleme. Überall werden die von der Europäischen Union vorgegebenen Richtlinien eingehalten. An mehreren großen Badestellen weht sogar die blaue EU-Fahne für ausgezeichnete Wasserqualität, so an dem vor 30 Jahren in einem ehemaligen Tagebau eröffneten Senftenberger See und am Wolletzsee bei Angermünde. Im vergangenen Jahr sperrten die Gesundheitsämter nur drei Badestellen für maximal drei Wochen, da dort die wichtigsten Sauberkeitskriterien unterschritten worden waren.

Die regionale Verteilung der Wasserflächen in Brandenburg ist aber recht unterschiedlich. Eindeutig begünstigt ist das Gebiet nördlich Berlins, vom großen Scharmützelsee südöstlich der Großstadt einmal abgesehen. Doch das Missverhältnis wird sich in 10 bis 15 Jahren ausgleichen. Denn die Lausitz im Süden erhält eine riesige Seenkette durch die Flutung der Tagebaulöcher. Einige Gewässer sollen später auch zum Baden geeignet sein.

Allerdings kann im Moment aus der Spree, aus der Schwarzen Elster und aus der Lausitzer Neiße nicht genügend Wasser entnommen werden, weil deren Pegel einfach zu niedrig sind. Seit Jahren gehen in Brandenburg ohnehin die Niederschlagsmengen zurück. Das merkt im Spreewald in trockenen Zeiten jeder Tourist auf dem Kahn oder im Kanu. Da wird schon mal die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel ziemlich knapp.

Im Moment besteht für Panik jedoch kein Anlass. Die meisten Seen erhalten noch genügend Nachschub von unten, so dass dem Badevergnügen zumindest in absehbarer Zeit nichts im Wege steht. Für den Schnelltest der Sauberkeit des Wassers hilft übrigens noch immer der Blick auf die eigenen Füße. Im knietiefem Wasser sollten sie noch gut zu erkennen sein.

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