Der Tagesspiegel : Angriff auf Linke nach WM-Spiel

Frank Jansen

Frankfurt (Oder)/Potsdam – Nach dem WM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal haben Rechtsextremisten in der Nacht zu Sonntag in Frankfurt (Oder) Linke attackiert. Bei einem Fanfest beschimpfte laut Polizei eine Gruppe von Anhängern eines Frankfurter Fußballvereins acht Linke als „Zecken“ und schlug zu. Fünf Linke erlitten leichte Verletzungen. Zweieinhalb Stunden später wurden die Linken, die sich zu einem Hofgrillfest begeben hatten, mit ihren Freunden erneut von Rechtsextremisten angegriffen. Aus einer benachbarten Gaststätten flogen Flaschen auf das Grillfest, an dem auch Mitglieder des Brandenburger Vereins „Opferperspektive“ teilnahmen. Der Verein kümmert sich um Menschen, die von rechten Schlägern verletzt wurden – jetzt gerieten die Helfer selbst in Gefahr.

Die Linken flüchteten ins Haus. Der Vorsitzende des Vereins Opferperspektive, der Anwalt Marcus Reinert, hielt die Tür zu und verhinderte das Eindringen der Rechtsextremisten. In ihrer Wut zertrümmerten sie im Hof Gartenmöbel. Kurz vor Eintreffen der Polizei zogen sich die Angreifer in die Gaststätte zurück. Die Beamten stellten in der Kneipe vier Tatverdächtige fest sowie in der Nähe einen demolierten polnischen Pkw.

Nach dem Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft in Schloss Marquardt im Potsdamer Norden hat die Polizei jetzt drei Tatverdächtige ermittelt. Einer ist 32 Jahre alt, die anderen sind Mitte 20. Der Ältere hat vage angegeben, er sei in der Nacht zum 2. Juli am Schloss gewesen, die zwei Jüngeren bestreiten nach Informationen des Tagesspiegels eine Beteiligung an dem Überfall. Die Hochzeitsgesellschaft war, wie berichtet, zweimal attackiert worden. Ortsbürgermeister Dietrich Menzer sagte dem Tagesspiegel, er vermute einen „rechtsradikalen Hintergrund“. Die Polizei sieht bislang kein politisches Motiv. Menzer und weitere Einwohner Marquardts haben in einer Erklärung den Angriff verurteilt und der Hochzeitsgesellschaft ihr Bedauern ausgedrückt. Gleichzeitig wurde einem Teil der Medien eine „vorurteilsbeladene Berichterstattung“vorgeworfen.

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