Der Tagesspiegel : Angriff in der Nacht

Nach der Attacke liegt der Äthiopier in einer Potsdamer Klinik. Täter flüchteten zu Fuß

Jörn Hasselmann

Potsdam - Er ist „ein Bürger, wie wir ihn uns wünschen“, sagte Potsdams Polizeipräsident Bruno Küpper, nun ringt der aus Äthiopien stammende Wasserbau-Ingenieur in einer Potsdamer Klinik mit dem Tode – am Sonntagmorgen zusammengeschlagen von Neonazis. „Stumpfe Gewalt gegen den Kopf“, heißt es, verursacht durch eine unbekannte Waffe oder durch Tritte mit Stiefeln gegen den Kopf, als das Opfer schon am Boden lag, genau könne man das noch nicht sagen. Mit schwerem Schädelhirntrauma, Verletzungen an Brust, Rippen und linkem Auge, Erbrochenem in der Lunge, liegt der Mann nun in künstlichem Koma.

Dies teilte Küpper gestern auf einer Pressekonferenz mit, zu der auch Oberbürgermeister Jann Jakobs erschienen war. Denn die Tat – versuchter Mord – ist klar fremdenfeindlich motiviert, obwohl die beiden Täter ihrem Opfer nach dem Überfall auch noch Geld und Schlüssel aus der Tasche zogen. Den Beginn der Attacke hat das Handy der Frau des Äthiopiers aufgezeichnet, weil dieser sie noch einmal anrief, während er an der Zeppelinstraße auf eine Straßenbahn wartete. Wenige Minuten zuvor hatte er sie nach einer gemeinsam besuchten Feier zu Hause abgesetzt, nun wollte er alleine noch einen Bekannten besuchen. Seine Frau ging aber nicht ans Telefon, der Anruf landete um 3.58 Uhr früh auf der Mailbox. Dutzendfach hat die Sonderkommission „Charlottenhof“ sich den Streit mittlerweile angehört, ein Dokument des Schreckens, auch wenn es nur zum Teil verständlich ist. „Scheiß Nigger“ ist gut zu hören und die Frage des Opfers: „Warum nennt ihr mich Nigger?“. Ein vorbeifahrender Taxifahrer sah den Streit an der Haltestelle. Als er kurz darauf, nun mit Fahrgästen, wieder vorbeikommt, sieht er den Schwarzen am Boden liegen – und zwei Personen dabei. Er stoppt, die beiden flüchten, er rennt hinterher bis zur 100 Meter entfernten nächsten Ecke, kann sie aber nicht einholen. Er rennt zum Taxi zurück, ruft die Polizei.

Am Tag danach lobt der Polizeipräsident das Verhalten als „sehr mutig“ . Um 4.07 geht der Notruf ein, eine Minute später ist die erste Streife da. Doch die Täter sind weg. Der Taxifahrer beschreibt den einen als 1,90 groß und kräftig, Stoppelschnitt oder sogar Glatze, schwarze Bomberjacke mit weißem Logo. Die zweite Person, die nach der Stimme auch eine Frau sein könnte, soll 1,70 bis 1,80 groß sein und dunkel gekleidet. Bürgermeister Jakobs hat der Familie des Opfers „alle Hilfe der Stadt zugesagt“.

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