Der Tagesspiegel : Angst vor Chaos-Tagen: Cottbus verbietet alle Veranstaltungen

Sandra Dassler

Berndt Fleischer formuliert es drastisch: "Der Krieg findet bislang nur im Internet statt". Aber das reicht nach Meinung des Cottbuser P, um eine ganze Stadt in Aufruhr zu versetzen, Ängste zu schüren und Polizeikräfte zu binden."

"Der Krieg" - das sind die berüchtigten Chaos-Tage, bei denen in der Vergangenheit Punks aus ganz Deutschland in Hannover Geschäfte demolierten und sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Der Spuk war vorbei, als Hannover im Vorfeld massiv gegen die Randalierer vorging.

Seit Februar geistern nun Meldungen durchs Internet, in denen unter anderem Cottbus als neuer Austragungsort der Chaos-Tage genannt wird. Obwohl es nach wie vor keine konkreten Hinweise darauf gibt, dass gewaltbereite Chaoten am bevorstehenden Wochenende tatsächlich in die Lausitz reisen, ist die Bevölkerung beunruhigt. Die Stadtverwaltung nimmt das sehr ernst und hat gestern vorsorglich ein Veranstaltungsverbot für Chaos-Tage erlassen. Außerdem ist eine Hotline ins Rathaus geschaltet, über die sich besorgte Bürger, Händler und Unternehmer informieren können. Täglich gehen etwa 40 Anrufe ein. Ab sofort verstärken Polizisten aus Sachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen die Cottbuser Einsatzkräfte. Das Veranstaltungsverbot gibt ihnen die Möglichkeit, Verdächtige aus der Stadt zu weisen oder in polizeilichen Gewahrsam zu nehmen. "Wir sind auf alle Eventualitäten - auch auf das Ausweichen der Punks auf andere Städte in der Umgebung - vorbereitet", sagt Berndt Fleischer: "Immerhin haben wir durch die Bundesliga-Spiele und die Veranstaltungen auf dem Lausitzring viele Erfahrungen gesammelt.

Noch gehen Kenner der Szene jedoch davon aus, dass es bei den virtuellen Chaos-Tagen bleiben wird, zumal es in Cottbus und Umgebung nur einige Dutzend echte Punks gibt. "Allerdings", meint ein Insider, "ist die Stadt attraktiv, weil sie nahe der polnischen Grenze liegt und in den vergangenen Jahren immer mehr Punks aus Osteuropa zu den Treffen kamen. Und über das Internet kann man sich kurzfristig verabreden."

Neben Cottbus kam auch Dortmund als Veranstaltungsort für die Chaos-Tage ins Gespräch. Dort wurden bereits am Dienstag 13 ortsfremde randalierende Punks vorläufig festgenommen. Bei ihrer Vernehmung habe sich, so ein Polizeisprecher, die Vermutung bestätigt, dass es in diesem Jahr eher zu mehreren kleineren Punk-Treffen kommen wird als zu zentralen Chaos-Tagen.

Manche Cottbuser Punks sind darüber nicht wirklich traurig. "Die anderen reisen wieder ab, wir wollen aber weiter in der Stadt leben, ohne größeren Zoff mit der Polizei oder der Bevölkerung", sagen sie. Und überlegen, sich an diesem Wochenende die Haare ausnahmsweise wie die "Stinos" - die so genannten Stinknormalen - zu frisieren. Und hoffen mit den anderen Cottbusern, dass der "Krieg" auch an diesem Wochenende nur im Internet stattfindet.

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