Der Tagesspiegel : Anpfiff nach der Mathe-Stunde

Die Gemeinde Neu Fahrland und der Ex-Profi René Tretschok wollen zusammen eine Fußballschule bauen

André Görke

Neu Fahrland. Wenn bald noch der Rasen planiert wird, dann rollt der Ball endlich und holpert nicht mehr. Die Fußballtore stehen ja schon seit einem Monat auf der einstigen Birnenplantage „Das ist der kleine Anfang“, sagt René Tretschok. Die Gemeinde Neu Fahrland und er haben Großes vor: Auf der Brachfläche unweit der Bundesstraße 2 soll die modernste Sportanlage des Potsdamer Nordens entstehen. Mit einer Fußballschule, vielen Sportplätzen, Saunakomplex und einer neuen Halle. Kosten: Sieben Millionen Euro, Baubeginn: 2005.

Vor einer guten Woche haben sie den Aufstellungsbeschluss, eine Art Bebauungsplan, im Büro der Potsdamer Stadtplaner abgegeben. „Dort wird er jetzt geprüft“, sagt Günter Simon, 72, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde. Er sieht in dem Projekt „einen Riesengewinn für alle im Norden von Potsdam“. Die Landeshauptstadt wächst hier beachtlich; auf dem Bornstedter Feld entsteht auf einem ehemaligen Militärgelände gerade ein ganzes Stadtviertel, und ab 26. Oktober schließen sich mehrere Gemeinden der Landeshauptstadt an. Und diese Peripherie habe „an Freizeitmöglichkeiten einfach nichts zu bieten“, sagt Simon.

Vorangetrieben wird das Projekt von René Tretschok, 34, einem ehemaligen Fußballprofi. Da haben sich zwei gefunden: Günter Simon war bis 1992 Chefredakteur der Zeitschrift „Fußball-Woche“ und galt in der DDR als einer der kompetentesten Sportreporter. Mit Rotation Babelsberg spielte er in der höchsten Liga. Tretschoks Vita liest sich so: In Halle an der Saale nutzte er das Sportförderprogramm der DDR, nach der Wende bestritt er 180 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund, 1. FC Köln und Hertha BSC. Zwei Mal war er Deutscher Meister, 1997 gewann er sogar die Champions League. Er gilt in der Branche als solide. Im Sommer hat er seine Karriere beendet. „Jetzt kümmere ich mich um meine Fußballschule.“

Sie ist das Herzstück des Projektes, nimmt die Hälfte der 6,5 Hektar Fläche ein. Aber was sollen Kinder lernen, wenn sie einem Ball hinterher rennen? Tretschok kennt diese Fragen, er spricht dann von der „tollen Nachwuchsförderung in der DDR“: Die Kinder wohnen im Internat, vormittags gehen sie in eine normale Schule der Umgebung, nachmittags trainieren sie unter professioneller Leitung. Jeden Tag. Der Vorteil gegenüber dem Förderungsprogramm des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) liege darin, dass das Projekt privat sei, „und wir nur überleben können, wenn wir Leistung bringen“, sagt Tretschok. Seine Trainer bekommen Lizenzen, etwa 20 Mitarbeiter sollen es insgesamt sein. Eigentlich wollte Tretschok eine Schule in Sachsen-Anhalt ausbauen, aber dann kam die Flut und die Bauskizze des Architekten Karl-Heinz Winkens war überflüssig, weil alles abgesoffen war.

Also entschieden sich die beiden für das brach liegende Gelände der Gemeinde vor Tretschoks Haustür. Die Fläche darf nicht mit Wohnungen bebaut werden, das ist vertraglich geregelt. Also, was soll schief laufen? Tretschok stellt sich das so vor: Während in den Internaten der Proficlubs meist nur Talente wohnen, die bereits 15 Jahre alt sind, weil die Vereine das wirtschaftliche Risiko gering halten wollen, orientiert sich seine Fußballschule an den Jüngeren. Dort würden sie eigenständiger ausgebildet. Und wenn sie sehr gut sind, vermittelt sie Tretschok weiter, so wie im Sommer, als er zwei Jungs zum VfL Wolfsburg geschickt hat. Und der Rest? „Der ist gut erzogen und sportlich fit. Die werden einen Job finden.“ Tretschok verspricht keine Profiverträge, aber wer es zu höherklassigen Amateurklubs schafft, dem winkt dort ein Arbeitsplatz bei einem Sponsor. So funktioniert die Branche.

Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft in drei Jahren in Deutschland ist die Nachfrage nach dem Produkt Fußball enorm. Aus China kam gerade die letzte Anfrage, um 50 Asiaten wird sich Tretschok ein halbes Jahr kümmern. Im Herbst findet das nächste Fußballcamp statt, es kostet die Teilnehmer 280 Euro. Bislang werden die Fußballplätze und Hotels angemietet. In Neu Fahrland soll die Heimat entstehen, finanziert auch durch Fördergelder. Weil es in der Region nichts gibt. Die Gemeinde würde so attraktiver werden und auch Arbeitsplätze erhalten. Auch die Verlängerung der Straßenbahn in den neuen Norden Potsdams ist geplant.

Natürlich sind nicht alle sind begeistert, „wegen des Lärms und so“, sagt Simon, der stellvertretende Bürgermeister. „Wir nehmen die Befürchtüngen ernst. Aber ich denke, sie lassen sich ausräumen. Wir haben gerade mit Anwohnern gesprochen. “ Wenn alles gut läuft, wird in eineinhalb Jahren mit dem Bau begonnen.

Mehr Infos über die Fußballschule:

www.tretschok.com

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