Anrainerstreit : Potsdam plant Uferweg am Glienicker See

370 Meter lang, 75.000 Euro teuer: Die Stadt Potsdam will im Frühjahr mit der Gestaltung des südlichen Uferwegs am Groß Glienicker See beginnen. Anrainer warnen vor Eskalation wie am Griebnitzsee.

Henri Kramer

Groß Glienicke - Die Pläne für den Uferweg wurden am späten Montagabend bei einer Bürgerversammlung in Groß Glienicke erstmals öffentlich vorgestellt. Der zuständige Architekt Theseus Bappert skizzierte dabei einen „drei Meter breiten Weg“ mit einem wasserdurchlässigen Belag aus Kies, Lehm und Sand, kleinen Nischen am Rand des Pfads mit einzelnen Bänken und möglichst Laternen an den sieben Zugängen des Uferparks. „Die Maßnahmen für den Weg sind überschaubar“, sagte Bappert zu dem Projekt, das 75 000 Euro kosten soll. Es geht um einen 370 Meter langen Weg.

Die Aktion ist brisant, weil der frühere Weg für DDR-Grenztruppen fast an eines jener Grundstücke heranreichen wird, das Anrainer am südlichen Uferweg seit dem Sommer gesperrt halten. Die Planungen seien laut Verwaltung jetzt möglich, da die Stadt Potsdam im Oktober von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die bisher bundeseigenen Grundstücke am Groß Glienicker See erwerben konnte – insgesamt für mehr als 150 000 Euro.

Bei diesem Teilstück Uferpark am See wird es vorerst bleiben. Denn wie bei der Veranstaltung in der Grundschule des Ortsteils deutlich wurde, gestalten sich die Verhandlungen an anderer Stelle des Ufers schwierig. Die beiden Spitzen des Ortsbeirats, Peter Kaminski und sein Stellvertreter Winfried Sträter, setzen dabei auf einen Kompromisskurs. „Bei uns darf es nicht so eine Eskalation geben wie am Griebnitzsee“, warnte Sträter. Auch an diesem Potsdamer See sperren Grundstücksbesitzer den Uferweg, nach mehreren Gerichtsprozessen sind die Fronten verhärtet. Gerade für das Westufer des Groß Glienicker Sees will der Ortsbeirat eine Lösung für alle. „Lassen Sie uns für eine Stimmung sorgen, damit das Kleinod unseres Ufers erhalten bleibt“, appellierte Kaminski; und Sträter rief auf, „eine Verantwortungsgemeinschaft“ für den See zu bilden.

Indes ist ungewiss, wie viele Anrainer sich auf das Angebot einlassen. Wie berichtet, wird von der Stadtverwaltung ein Kompromiss-Konzept erarbeitet, mit dem auf acht Forderungen von Ufer-Anrainern eingegangen werden soll. Darin enthalten ist, dass den Anwohnern am See gestattet wird, zwischen Uferweg und Wasser privat genutzte Areale einzufrieden, die mit Hecken abgegrenzt werden können. Auch soll es wenige Sammel-Bootsstege geben dürfen. „Auf Basis eines solchen Entwurfs können wir dann mit jedem See-Anrainer reden“, gab sich Kaminski optimistisch, dass bei „vielen“ Grundstücksbesitzern „Kompromissbereitschaft“ bestehe. Ob mit schon sperrenden Anrainern verhandelt wurde, sagte Kaminski nicht. Dort seien von der Stadt Potsdam alle notwendigen ordnungsbehördliche Maßnahmen gegen die Sperrung eingeleitet. Henri Kramer

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