Der Tagesspiegel : Anschlag in Prag: Spur führt auch zu Mordopfer in Potsdam

Sandra Dassler

Ferch / Potsdam - Bei den Ermittlungen zum Handgranatenanschlag von Prag am vergangenen Sonntag arbeiten die tschechischen Behörden auch mit der Polizei in Potsdam zusammen. Die Ermittler in beiden Ländern gehen offenbar davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag und der Ermordung eines Mannes besteht, dessen Leiche im Oktober 2003 nahe der Autobahn A 10 bei Ferch gefunden wurde.

Polizisten hatten den Toten gegen 23 Uhr am Abend des 8. Oktober entdeckt. Ihnen war aufgefallen, dass das Tor zu einem ehemaligen Sägewerk offen stand. Der Mann mittleren Alters war erschossen worden und hatte keinerlei Ausweispapiere bei sich.

„Der Tote konnte später als israelischer Staatsbürger identifiziert werden“, sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Ralf Roggenbuck, gestern dem Tagesspiegel: „Er hatte seinen letzten Wohnsitz in Prag. Wir ermitteln seither gegen Unbekannt.“ Zur Zusammenarbeit mit den tschechischen Behörden wollte sich Roggenbuck aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht äußern.

In Brandenburger Polizeikreisen und auch beim Landeskriminalamt war man sichtlich überrascht, dass der stellvertretende tschechische Polizeichef Jaroslav Machane den Zusammenhang mit dem Mord in Potsdam einer Prager Zeitung mitgeteilt hatte: Demnach soll das Opfer mit einem Spielcasino-Betreiber, dem das Attentat von Prag galt, bekannt gewesen sein und besonders guten Kontakt zu dessen Vater gehabt haben. Dieser war bereits vor zwei Jahren in der tschechischen Hauptstadt ermordet worden.

Die Prager Polizei geht nach Berichten tschechischer Medien davon aus, dass der Anschlag die Folge eines alten Streits zweier rivalisierender Familien beziehungsweise Banden war, die sich seit Jahren sowohl in Israel als auch in anderen Ländern bekriegen. Schon vor zwei Monaten habe daher die tschechische Botschaft in Israel vor einer Verschärfung des Bandenkrieges gewarnt. Bei der Explosion einer Handgranate unter dem gepanzerten Wagen des Spielcasinobetreibers waren 18 Menschen, darunter viele ausländische Touristen, verwundet worden. Der Casino-Chef selbst blieb unverletzt.

Der in Ferch entdeckte Tote hat nach bisherigen Erkenntnissen nie in Brandenburg gelebt. Die Ermittler sehen daher keine Hinweise darauf, dass sich der Bandenkrieg nach Deutschland ausgedehnt hat. Die Mörder hätten die Leiche wohl eher zufällig in dem Ort an der Autobahn zurückgelassen.

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