Antrittsrede : IG-Metall Chef Huber fordert ''Revolution in den Köpfen''

Berthold Huber ist der neue starke Mann bei der IG Metall. In seiner Antrittsrede rückte er die Gewinnung neuer Mitglieder ins Zentrum. Zudem will er die Flächentarifverträge stärken.

Huber
Der IG-Metall-Chef Berthold HuberFoto: ddp

Leipzig/Berlin Der neue IG-Metall-Chef Berthold Huber hat die Mitglieder seiner Gewerkschaft zu einem konsequenten Umdenken aufgefordert. In seiner Antrittsrede sagte er auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Leipzig, seine Gewerkschaft könne ihre Ziele nur mit einer "Revolution in unseren Köpfen" verwirklichen. Die Gewinnung neuer Mitglieder sei dabei die entscheidende Frage. Seine Gewerkschaft müsse in den kommenden Jahren einen Generationenwechsel bewältigen. Dies sei die Chance zu einer Verjüngung der Mitgliedschaft. "Die Gestaltungsmacht in den Betrieben stärken und ausbauen - das ist ein strategisches Ziel für die IG Metall", betonte Huber. Jeder Schritt und jede politische Initiative müssten von der Frage geleitet sein, ob sie Mitglieder bringe und die IG Metall vor Ort stärke.

Große Potenziale für neue Mitglieder gebe es bei Ingenieuren, technischen Experten und kaufmännischen Berufen. "Wir brauchen hier eine Trendwende", forderte Huber vor den etwa 500 Delegierten des Gewerkschaftstages. Die IG Metall könne ihre Ziele nur aus eigener Kraft heraus erreichen. "Nur unsere eigene Stärke zählt".

Streiks für Sozialtarife seien rechtens

Huber, der am Dienstag zum Nachfolger von Jürgen Peters gewählt worden war, gab sich kämpferisch. Der Flächentarifvertrag müsse in allen Bereichen gestärkt werden. Wenn es im kommenden Jahr im Kfz-Handwerk zum Tarifkonflikt kommen sollte, werde die IG Metall ihn führen, kündigte Huber an. Zugleich verteidigte er die Streiks für Sozialtarifverträge. Diese seien rechtens. "Und wir werden sie auch in Zukunft führen", betonte er. Erneut machte er sich für gesetzliche Mindestlöhne stark. Diese seien allerdings nur die zweitbeste Lösung. "Vorrang haben für uns tarifvertragliche Lösungen", sagte Huber.

Der neue Erste Vorsitzende der größten deutschen Einzelgewerkschaft sprach sich ausdrücklich für eine "neue Arbeitszeitdebatte" aus. "Wir brauchen einen neuen Aufbruch in unserer Arbeitszeit- und Leistungspolitik", sagte Huber. Noch nie sei die Differenz zwischen der tariflichen und der effektiven Arbeitszeit so groß wie heute gewesen.

Leiharbeit in der Kritik

Berthold Huber hat die Zunahme von ungesicherten Arbeitsverhältnissen kritisiert. Er verwies insbesondere auf die steigende Zahl von Leiharbeitsplätzen: "Wir haben Menschen, die überhaupt nicht unter einen Tarifvertrag fallen, die in ungesicherten Arbeitsverhältnissen stehen, und dort wollen wir etwas tun", sagte er im rbb-Inforadio. Huber bemängelte auch die Rente mit 67. Arbeitnehmer müssten die Möglichkeit haben, "nach 40 Jahren an den Fließbändern zu fairen Bedingungen auszusteigen". (mit ddp)