Der Tagesspiegel : Anzeige gegen Verkehrsminister wegen Fluglärms Dauerhafte Stilllegung der Nordbahn in Schönefeld gefordert

Klaus Kurpjuweit

Weil auf dem Flughafen Schönefeld seit Ende Februar die Flugzeuge auf der Nordbahn starten und landen, hat eine Anwohnerin Strafanzeigen wegen Gefährdung des Luftverkehrs und Körperverletzung unter anderem gegen Brandenburgs Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) erstattet. Die Maschinen fliegen jetzt dicht über Wohnbauten in Bohnsdorf hinweg. Szymanskis Behörde habe die vorübergehende Nutzung der nördlichen Start- und Landebahn rechtswidrig genehmigt, ist Anwalt Wolfgang Baumann überzeugt. Er hat beim Ministerium die sofortige und dauerhafte Stilllegung der Bahn beantragt. Auf ihr findet normalerweise kein Betrieb statt, um die Anwohner vom Lärm zu verschonen. Doch weil derzeit die südliche Start- und Landebahn renoviert wird, müssen alle Flüge vorübergehend über die Nordbahn erfolgen – auch nachts.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB), Ferdi Breidbach, der als Ausbaugegner von Schönefeld die Klage unterstützt, hätte die Südbahn auch unter laufendem Betrieb instand gesetzt werden können. Andere Flughäfen mit nur einer Start- und Landebahn hätten gezeigt, dass dies möglich ist. Die Flughafengesellschaft habe aber den für sie bequemsten Weg auf Kosten der Anwohner gewählt.

Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner wies dies zurück. Nach ihren Angaben musste die Bahn komplett für mehrere Wochen gesperrt werden, weil die gesamte Oberflächendecke erneuert wird. Ein abschnittsweises Bauen unter laufendem Betrieb sei nicht möglich gewesen. Gearbeitet werde ohnehin in Tag- und Nachtschichten. Man versuche, die Arbeiten vorzeitig nach Ostern abzuschließen. Bisher war das Ende der Arbeiten für den 27. April vorgesehen.

Die Südbahn muss erneuert werden, weil die nördliche Bahn, die nur ausnahmsweise genutzt wird, 2006/2007 geschlossen wird. Auf ihrer Trasse wird die neue Autobahn A 113 gebaut, die von Berlin zum südlichen Autobahnring führen wird. Die Klägerin will erreichen, dass die Nordbahn bereits jetzt gar nicht mehr genutzt wird. Die dortigen Starts und Landungen verursachten nicht nur einen unzumutbaren Lärm, der Anflug über den Hausdächern von Bohnsdorf sei auch gefährlicher als bei der Südbahn.

Noch ist der Flugverkehr in Schönefeld verhältnismäßig gering, wegen des Ferienflugverkehrs wird jedoch auch nachts geflogen. Zwei bis vier Starts und Landungen in der Nacht sind üblich. Die Forderung, den Flugplan so umzustellen, dass es während der Nutzung der Nordbahn keine Nachtflüge gibt, sei unrealistisch, so Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner. Die Flugpläne der Gesellschaften seien so vernetzt, dass sie nicht einfach geändert werden können, wenn gebaut wird.

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