Appell : Merkel warnt G-8-Staaten vor Hungerkrise

Im Vorfeld des G-8-Gipfels warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Kollegen in einem dringenden Appell vor den Auswirkungen der weltweiten Nahrungsmittelkrise. Die westlichen Staaten würden in ihrer Sicherheit bedroht, wenn sie nichts gegen den Hunger unternehmen.

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In Japan demonstrieren G-8-Gegner im Vorfeld des Gipfeltreffens. -Foto: dpa

Berlin/ ToyakoBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor einem internationalen Sicherheitsproblem durch die Nahrungsmittelkrise gewarnt und millionenschwere Hilfe für arme Länder zugesagt. Fehlende Nahrung und Verteilungskonflikte könnten die Demokratisierung gefährden, "Staaten destabilisieren" und zu einem Problem der internationalen Sicherheit werden, heißt es nach Informationen des "Spiegel" in einem Schreiben an ihre G-8-Kollegen. Die Vertreter der sieben größten Industrienationen und Russlands (G-8) kommen ab Montag in Toyako zu ihrem Jahrestreffen unter japanischem Vorsitz zusammen.

Die Kanzlerin will nach eigenem Bekunden bei der Bekämpfung der Lebensmittelkrise auf die Förderung der einheimischen Landwirtschaften in den betroffenen Staaten setzen. "Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können", sagte sie in ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Video-Botschaft. Auch die Problematik der Bio-Kraftstoffe müsse aufs Tapet, "damit hier keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen kann".

5000 G-8-Gegner protestieren in Sapporo

In dem vom "Spiegel" zitierten Papier kündigte Merkel überdies an, Deutschland werde in diesem Jahr 750 Millionen Dollar (knapp 478 Millionen Euro) für die Lebensmittelversorgung in armen Ländern bereitstellen. Dabei sei sicherzustellen, dass die Nahrungs- und Finanzhilfen bei den am schlimmsten Betroffenen ankommen, heißt es laut "Spiegel". Insgesamt benötigten die 30 ärmsten Länder der Welt 20 Milliarden Dollar für Nahrungsmittelimporte.

Im japanischen Sapporo, der Hauptstadt der Inselprovinz Hokkaido, haben indes etwa 5000 Menschen gegen den G-8-Gipfel demonstriert. "Die G8-Staaten haben es versäumt, ihrer Verantwortung nachzukommen", sagte der Mitorganisator der Proteste, Akiyoshi Ishida. Die Folge sei, dass es unvermindert Diskriminierung, Krieg und Umweltzerstörung gebe. "Die G8-Länder sind die größten Waffenexporteure der Welt und wenn sie sich treffen, arbeiten sie nicht an der Schaffung von Frieden", sagte Yohko Hosoya, eine 59- jährige Hausfrau und Friedensaktivistin.

Ausländische Teilnehmer der lauten und bunten Demonstration in einem Park inmitten einer mehrspurigen Straße kritisierten groteske Auflagen der Behörden. Die Polizei habe in Spalierformation dafür gesorgt, dass nur vier Menschen nebeneinander gehen konnten, damit der Verkehr nicht unterbrochen wurde. "An Ampeln musste angehalten werden, so dass der lange schmale Demozug mehrfach geteilt wurde", berichtete Alexis Passadakis von Attac. (ut/AFP/dpa)